Baubranche in der Rohstoffkrise: 4 strategische Ansätze

2021 war ein zwiespältiges Jahr für die Bauwirtschaft. Die Auftragsbücher waren voll, doch litt die Branche neben Lieferproblemen auch unter stark steigenden Rohstoffpreisen. Immerhin gingen Experten für 2022 von einer deutlichen Abschwächung der Teuerung aus. Doch das war vor der Ukraine-Krise. Die Realität sieht aufgrund des Konflikts und der internationalen Sanktionen gegen Russland und Weißrussland ganz anders aus.

Der Ist-Stand: Preisanstieg an allen Ecken und Enden

Schon im April beklagte Alexander Pongratz, Bau-Innungsmeister in der Wirtschaftskammer, den rasanten Anstieg des Stahlpreises. 50 Prozent waren es seit Jahresbeginn – Tendenz weiter steigend. Grund eins: Alle drei Krisenländer sind wichtige Stahl-Exporteure. Grund zwei: Extrem hohe Energiepreise wirken sich auf alle Baustoffe aus, für deren Erzeugung Energie benötigt wird – neben Stahl auch Ziegel, Zement und Kunststoffe. Bei Holz lag die Teuerungsrate schon 2021 zwischen 60 und weit über 70 Prozent, ohne absehbares Ende des Anstiegs.

Ein weiteres Problem ist der Treibstoffpreis, der die Transportkosten rasant nach oben schießen lässt. Das deutsche Portal verbrauchsrechner.de verzeichnete für Österreich am 1. Jänner 2022 einen durchschnittlichen Dieselpreis von 1,172 Euro. Bis Ende Juni hatte sich der Wert mit 2,037 Euro fast verdoppelt. Zusätzlich beklagen viele Unternehmen weiterhin Lieferengpässe.

Notwendige Ansätze zum Situationsmanagement

Bleibt die Frage: Wie können Unternehmen im Bauumfeld die derzeitige Situation bewältigen? Aus unserer Sicht gibt es fünf notwendige strategische Ansätze:

Ansatz 1: Offene Kommunikation

Vertrag ist Vertrag, heißt es oft. Tatsächlich ist es schwer und auch nicht wünschenswert, bestehende Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer einseitig abzuändern. Ein offenes Gespräch führt viel eher zum Ziel. Wer einem Bauherrn die Marktsituation der Bauwirtschaft erklärt, hat gute Chancen, beim Gegenüber für Verständnis und Flexibilität zu sorgen. Der Baustopp als Alternative bleibt so aus, da die zuständige Firma vor dem Konkurs bewahrt wird.

Doch auch rechtlich ist die Situation nicht eindeutig. In manchen Verträgen gibt es eine Regelung für „Force Majeure“ (höhere Gewalt), die Leistungserbringer von ihrer Pflicht entbindet. Ob die Ukraine-Krise samt ihren wirtschaftlichen Folgen als höhere Gewalt eingestuft werden kann, muss jedoch noch entschieden werden. Genauso ungeklärt: ob das Vorliegen höherer Gewalt nur zu einer Aussetzung der Leistung oder zur Vertragsauflösung führt und welche rechtlichen Konsequenzen Versäumnisse von Vorlieferanten haben. So oder so – mit einer einvernehmlichen Lösung ist man sicher besser beraten.

Ansatz 2: Flexible Verträge

Bei neuen Bauverträgen, die von nun an abgeschlossen werden, raten Experten dringend zur Flexibilität. Sowohl private als auch öffentliche Aufträge sollten nur noch zu veränderlichen Preisen und aufgrund eines sachlich nachvollziehbaren Index ausgeschrieben werden. Ansonsten müssten viele Unternehmen wohl darauf verzichten, Angebote abzugeben.

Ansatz 3: Langfristig planen mit BCM

Das Prinzip der Just-in-time-Lieferung ist in Zeiten anhaltender Baustoffknappheit nicht mehr aufrechtzuerhalten. Wer Bauaufträge zeitgerecht abwickeln will, muss langfristig planen und sein Partner-Netzwerk breit aufstellen. Wenn Lieferant A nicht lieferfähig ist, braucht es die Lieferanten B, C und D. Auch sollte man rechtzeitig die Lager mit notwendigen Materialien auffüllen – dazu zählen nicht zuletzt Nägel und Schrauben, denn selbst sie sind mittlerweile Mangelware.

Alle genannten Vorkehrungen sind Teil des sogenannten „Business Continuity Management“, kurz BCM. Es bezeichnet in der Betriebswirtschaftslehre Strategien, Pläne und Handlungen mit dem Ziel, Prozesse in einer Organisation aufrechtzuerhalten bzw. alternative Abläufe in ungeahnten Situationen, zu ermöglichen.

Ansatz 4: Informationen beschaffen

Last but not least sind in der aktuellen Situation Informationen ein Schlüssel zum Erfolg. DOCUmedia ist ein erfahrener Informationsdienstleister und versorgt seine Kunden mit aktuellen Bauprojekten und öffentlichen Ausschreibungen. In schwierigen Zeiten ist dieser Wissensvorteil wichtiger denn je und ein entscheidender Faktor im Wettbewerb.

DOCUmedia nutzt moderne Technologie, gepaart mit langjähriger Expertise, um under anderem Produzenten aus dem Bau- und Baunebengewerbe, Bauunternehmer und Handwerker, Architekten, Banken und Versicherungen sowie Energiedienstleister mit nötigen Informationen zu versorgen. Mittlerweile profitieren über 1.000 Kunden von unserer Arbeit.

Worauf man keinen Einfluss hat …

Ein kurzes Schlusswort betrifft die Politik. Hier liegt nämlich der Schlüssel, um den rasanten Anstieg der Energiepreise abzufedern. Möglichkeiten dazu sind etwa die Rückerstattung der Mineralölsteuer und die Verschiebung der CO2-Steuer. Als „Ansatz“ in unserem Sinn sind solche Maßnahmen allerdings nicht einzuordnen. Denn auf politische Rahmenbedingungen hat der einzelne Bauunternehmer (leider) keinen Einfluss.


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