Nachhaltig oder „nachhaltig“: Baustoffe auf dem Prüfstand

Gibt es eigentlich noch Baustoffe, die nicht nachhaltig sind? Mittlerweile scheint jeder Lieferant auf jedes seiner Produkte einen grünen Punkt zu kleben, um dem Öko-Trend in der Branche gerecht zu werden. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt man: Es gibt für die Nachhaltigkeit von Baustoffen und Bauten sechs klare Kriterien.

  1.  Herkunft (auch der Rohstoffe) und Transport
  2. Herstellung
  3. Energieeffizienz und Wohnqualität (Wärmedämmung)
  4. Lebensdauer der Bauten
  5. Entsorgung und Recyclingfähigkeit 
  6. CO2-Bilanz der Gebäude über den gesamten Lebenszyklus
Nachhaltig

Holz

Wer von nachhaltigen Baumaterialien spricht, denkt zuerst an Holz. Dementsprechend erlebt der Baustoff, den schon unsere Urahnen für ihre ersten Behausungen verwendet haben, derzeit eine regelrechte Renaissance. Doch die Formel „Holz = Nachhaltigkeit“ ist zu einfach.

Ja, Holz wird natürlich gewonnen und wächst nach, besitzt gute Eigenschaften in puncto Wärmedämmung und Wärmespeicherung, erzeugt im unbehandelten Zustand ein angenehmes Raumklima und ist mittlerweile auch sehr langlebig. Holzbauten sind außerdem vergleichsweise einfach, also mit wenig Energieaufwand, auf-, aus- und abzubauen.

Trotzdem heißt es Augen auf bei der Holzwahl. Tropenhölzer aus großflächig gerodeten Regenwäldern machen sich in der Öko-Bilanz nicht gut. Ganz anders verhält es sich mit heimischen Hölzern wie Eiche, Fichte, Buche oder Kiefer, am besten aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Hier sind auch die Transportwege deutlich kürzer. Ein international anerkanntes Siegel für nachhaltig gewonnenes Holz wird vom FSC (Forest Stewardship Council) vergeben.

Lehm

Lehm reguliert die Feuchtigkeit in Räumen sehr gut und ist außerdem ein ausgezeichneter Wärmespeicher. Der Energieaufwand zur Herstellung ist äußerst gering, Lehm ist somit das ökologisch beste Putzmaterial. Aufgrund der Witterungsbedingungen in Mitteleuropa sind Lehmbaustoffe allerdings nur für den Innenbereich geeignet. Das ist nicht überall so: Die Chinesische Mauer, die 1644 fertiggestellt wurde und heute eine vielbesuchte Touristenattraktion ist, besteht großteils aus Lehm.

Ziegel

Ziegel

Ziegel sind ein Hauptbestandteil vieler Häuser. Ihre Ausgangsmaterialien Ton und Lehm sind bei uns überall zu finden, es sollte also kein Problem sein, Lieferanten in der Nähe der Baustelle zu finden.

Eine interessante Neuentwicklung sind Ziegel aus Kalksandstein. Sie können großformatiger hergestellt werden als herkömmliche Ziegel, verbrauchen dabei viel weniger Energie und haben hervorragende Schalldämm-Eigenschaften, sodass so manche bauliche Zusatzmaßnahme überflüssig wird. Allerdings hinken sie in puncto Wärmedämmung hinterher, daher sollten sie mit Bedacht eingesetzt werden.

(Natur-)Stein

Naturstein, insbesondere Granit, ist ein beliebter Bodenbelag im Innen- und Außenbereich, weil kratzfest, frostbeständig und ein guter Wärmeleiter. Schiefer ist ebenfalls sehr widerstandsfähig und kann händisch bearbeitet werden – er eignet sich zum Beispiel für die Dacheindeckung. Kalkhaltige Gesteinsarten, darunter fallen zum Beispiel Marmor und Dolomit, sind vor allem im Innenbereich ideal. Sie werden geschätzt, weil sie weich, leicht abzubauen und einfach zu bearbeiten sind.

Das große Vorkommen in unseren Breiten ist ein Argument für die Verwendung von Natursteinen, der Wegfall eines energieaufwendigen Herstellungsprozesses ein weiteres.

Dämmstoffe

Nachhaltige Dämmmaterialien

Stroh, Hanf, Flachs, Schilf, Kork oder auch die Wolle heimischer Schafe sind ausgezeichnete Dämmstoffe. Kokosfasern sowie Schafwolle aus Neuseeland oder Australien sind dagegen – abermals aufgrund der langen Transportwege – keine allzu sinnvollen Alternativen.

Ob Dämmmaterialien überhaupt nötig sind, hängt von Bauweise und -zweck ab. Holz und Ziegel haben an sich schon sehr gute Dämmeigenschaften, im Ziegel kann die Dämmung noch dazu integriert werden. Im Zweifelsfall gilt allerdings: lieber dämmen. Denn ein Wohn- oder Arbeitsraum, der sich im Sommer aufheizt und die Heizwärme im Winter nach draußen abgibt, macht jedes Nachhaltigkeitsbemühen zunichte.

Farben und Lacke auf pflanzlicher Basis

Ökologische Farben und Lacke basieren ausschließlich auf natürlichen Grundstoffen. Beispiele sind pflanzliche Farbpigmenten, Baumharze und Öle. Regionalität ist erneut ein wichtiger Faktor, denn nicht jeder Ausgangsstoff ist regional verfügbar.

Das Material ist nur die Basis

Wir sehen also: Es gibt mittlerweile viele Baustoffe, die beim ökologischen und klimabewussten Gebäudebau eingesetzt werden können. Sie alle sind aber nur so nachhaltig wie ihre Herkunft und Herstellung. Was die weiteren Kriterien betrifft, hängt viel von der Bauweise ab, oder konkret: ob die Bauten langlebig sind, wie Energie gewonnen und gespeichert wird und wie gut sich die Materialien am Ende recyceln bzw. entsorgen lassen. Trotzdem ist mit nachhaltigen Baustoffen zumindest eine solide Basis für das nachhaltige Bauen gelegt.


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