Digitalisierung im Bauwesen – eine vergeudete Chance?!

Innovationsexperten sind sich einig: Die Digitalisierung steckt am Bau noch in den Kinderschuhen. Auch Corona hat daran nur wenig geändert. Das österreichische Bauwesen droht damit eine große Chance ungenutzt zu lassen. Von der Planung über die Ausführung bis zur Administration – Digitale Lösungen, mit denen am Bau kostengünstiger und effizienter gearbeitet werden könnte, sind bereits vorhanden.

Der steinige Weg zum Bauen 4.0

„Bauen 4.0“ ist als Sammelbegriff für die digitale Transformation des Bauprozesses nicht mehr unbekannt. Warum jedoch sind wir speziell in Österreich von diesem Ziel noch weit entfernt? Ein wesentlicher Punkt ist sicher der finanzielle Aufwand. Jede Umstrukturierung kostet Geld, das gerade in Zeiten hoher Inflation rar ist. Die Frage ist also, welche technologischen Neuerungen für das eigene Geschäft sinnvoll sind und sich möglichst rasch in sinkenden Ausgaben oder steigenden Umsätzen widerspiegeln. Digitale Innovationen sind auch nur wirksam, wenn die Beschäftigten im Unternehmen mit ihnen arbeiten können und wollen. Zudem bereiten vielen Bauunternehmern die Begleiterscheinungen der Digitalisierung Sorgen: Cyber-Kriminalität und Datenschutz-Probleme.

Diese Bedenken sind verständlich, doch auf der anderen Seite stehen die vielen Chancen der Digitalisierung im Bauwesen. Fachleute führen etwa eine verbesserte Kommunikation, Datenverfügbarkeit und Logistik, die Automatisierung von Projekteinreichung, Abrechnung und anderen administrativen Vorgängen sowie mehr Sicherheit am Bau an. Mit welchen Tools diese Ziele aktuell erreichbar sind? Hier einige Beispiele:

Beispiel 1: Verwaltungssoftware

An manchen Tätigkeiten kommt man als Wirtschaftsbetrieb nicht vorbei. Buchhaltung und Rechnungswesen, Zeiterfassung und Personalverrechnung, Angebotserstellung, Einkauf und Logistik oder Dokumentenmanagement sind branchenübergreifende Anforderungen, für die es IT-Lösungen gibt.

Cloudbasierte Datenbanken ermöglichen Mitarbeitern und Kunden den Zugriff auf wichtige Informationen. So sind zum Beispiel Angebote, Fristen oder auch der Status eines Projekts einsehbar – jederzeit und überall. Fortschrittlichere (Buchhaltungs-) Programme ermöglichen außerdem die unkomplizierte Erfassung von Belegen, den Versand von Rechnungen und Zahlungserinnerungen mit wenigen Klicks, verfügen über Schnittstellen zum Online-Banking und liefern alle nötigen Daten für den Steuerberater.

Die digitalisierte Lagerwirtschaft birgt in Zeiten der Rohstoffknappheit großes Potenzial in sich: Wer weiß, welche Materialien und Mengen zur Verfügung stehen, kann Baustellen exakter planen. Auch der Nachkauf erfolgt automatisch.

Beispiel 2: Künstliche Intelligenz

KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich derzeit rasant entwickelt. Für das Bauwesen besonders interessant ist dabei das Thema „Maschinelles Lernen“. Maschinen nutzen Inputs von Menschen, statistische Methoden und auch das Wissen anderer Maschinen, um sich selbstständig weiterzuentwickeln und zu „lernen“. Sie sind präzise bei der Ausführung von Arbeiten, das zeigen etwa die autonomen Muldenkipper im voestalpine-Kalkwerk in Steyrling. Künstliche Intelligenz kann zudem helfen, die Baustelle als Arbeitsplatz sicherer zu machen, indem sie Risiken aufspürt und Alarm schlägt.

Beispiel 3: 3D-Druck

Ein moderner 3D-Drucker kann nicht nur verwendet werden, um anschauliche Modelle von Bauprojekten anzufertigen. Viel wichtiger ist die Fähigkeit der Geräte, klein- und mittlerweile auch großformatige Bauteile zu erstellen. Es sind sogar schon ganze Gebäude am 3D-Drucker entstanden, bis diese Methode serienreif ist, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen.

Augmented Reality

Beispiel 4: Augmented Reality

Augmented Reality, kurz AR, könnte schon bald die persönliche Begehung von Baustellen überflüssig machen. Sie eignet sich vor allem für größere Unternehmen, die gleichzeitig mehrere Projekte an verschiedenen Orten betreuen. Im Gegensatz zur Virtual Reality schafft die „Erweiterte Realität“ keine fiktive Welt. Sie bildet die Realität oder einen Soll-Zustand ab, ergänzt mit weiteren Informationen in Form von Bildern oder Videos.

Die Zusammenarbeit von Kollegen auf der Baustelle und im Büro wird dadurch vereinfacht. AR-Brillen können aber auch als „Maßbänder“ verwendet werden oder dem Mitarbeiter eine Art Röntgenblick geben, sodass er den Leitungsverlauf in bereits verputzten Wänden erkennt.

Beispiel 5: Building Information Modeling

Das „Building Information Modeling“ nutzt Elemente aller vier genannten Digitalisierungstrends, um ein Objekt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg digital darzustellen: Entwurf, Planung, Bau, Nutzung, Renovierung und Abriss. Unterstützt von einer speziellen Software werden alle relevanten Daten erfasst, kombiniert und in einem virtuellen Modell zusammengeführt. BIM unterstützt damit Architekten, Bauausführende und auch das Facilitymanagement.

Beispiel 6: Informationsmanagement

Informationsdienstleistungen sind in der Baubranche seit vielen Jahren eine Art Schmelztiegel von Angebot und Nachfrage. Unternehmen wie DOCUmedia nutzen in fortschreitendem Maß elektronische Features, um ihre Kunden noch besser unterstützen zu können. Das beste Beispiel ist der DOCUmedia Xplorer, das Portal für öffentliche Ausschreibungen und gewerbliche Bauprojekte. Der Xplorer ist ein auf das produzierende Baugewerbe zugeschnittenes Onlineportal. Bauprojekte inklusive Leistungsbeschreibungen, Vergabestellen und Ansprechpartner, alles ist hier zu finden. Der Funktionsumfang des Tools wird laufend erweitert, sodass die Nutzer einen immer größeren Wettbewerbsvorteil generieren.

Die Premium-Produktplattform nextroom produkte zeigt auf nextproducts.at innovative Lösungen aus der Welt des Bauens. Ideal für Architekturschaffende oder auch nur Interessierte, findet man hier hochwertig aufbereitete Neuigkeiten sowie Informationen über Hersteller und deren Produkte.

Beispiel 7: Roboter und Drohnen

Schon seit den 1970er-Jahren sind Baustellenroboter im Einsatz – mittlerweile errichten Robotik-Systeme in Asien ganze Wolkenkratzer praktisch im Alleingang. Die große Herausforderung beim Einsatz von Robotern am Bau: Die Baustelle ist kein überschaubarer, aufgeräumter Arbeitsplatz wie ein Büro oder eine Lagerhalle. Der Arbeitsbereich sieht damit jeden Tag anders aus, und die Maschine muss sich neu orientieren.

Eine mögliche Lösung: Drohnen können die Baustelle überfliegen, mit Kameras filmen und ein digitales Modell erstellen. Weitergeleitet an den Roboter, kann sich dieser besser und schneller auf der Baustelle orientieren.

Die Chance lebt!

Das Thema Bauen 4.0 ist keinesfalls vollständig. Doch zeigt sich bereits jetzt, dass sich der Aufwand bei der Digitalisierung lohnt. Denn digitale Tools bedeuten mehr Effizienz, damit verbunden zeitliche und monetäre Einsparungen, mehr Produktivität und geringere Fehleranfälligkeit.

Muss Rom deshalb an einem Tag erbaut werden? Keineswegs! Gerade kleine und mittelständische Unternehmen brauchen Zeit, um sich den neuen Technologien zu stellen. Es ist aber der richtige Zeitpunkt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und erste Digitalisierungsschritte zu setzen. Unser Überblick ist dabei eine kleine Hilfestellung.


Abschließender Hinweis

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DOCUmedia Redaktion

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