Weniger CO2 – drei Schritte zur grünen Bauwende

Die Durchschnittstemperatur auf der Erde ist seit den 1970er-Jahren um bis zu 0,8 Grad gestiegen. Hauptverantwortlich dafür, da sind sich fast alle Wissenschaftler einig, ist der Mensch. Pro Jahr werden etwa 32 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt – das trägt maßgeblich zur Klimaerwärmung bei. Was das konkret mit der Baubranche zu tun hat? Und wie die Bauwirtschaft zur Verlangsamung der globalen Erwärmung beitragen kann? Das lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Graue Energie – was ist das?!

Man spricht vom Autofahren, vom Fliegen, vom Fleischkonsum oder von der Schwerindustrie, wovon man aber nicht oder noch zu wenig spricht, ist die Tatsache, dass fast 40 Prozent der weltweiten Treibhausgase beim Bauen und Wohnen entstehen. Diese fast 40 Prozent sind vor allem durch den laufenden Betrieb der Heizung und Klimaanlage sowie durch den Stromverbrauch bedingt. Aber auch die Bautätigkeit selbst ist ein ganz wesentlicher Faktor: Schlagwort „Graue Energie“.

„Graue Energie“ – was versteht man darunter? Damit ist die gesamte Energie gemeint, die bei der Errichtung eines Gebäudes benötigt wird. Sie umfasst unter anderem:

  • Arbeiten am Bauareal bzw. Abriss eines Altbaus
  • Herstellung aller Baustoffe
  • Transport von Menschen, Materialien und Maschinen
  • Abfallentsorgung
  • Bauarbeiten und Bautätigkeiten

Die gute Nachricht: Es gibt viele Lösungsansätze, um das Bauwesen vom Problemfall zum Vorreiter der Klimawende zu machen. Wir haben die drei wichtigsten Maßnahmen für Sie zusammengefasst.

Maßnahme 1: Nachhaltige Baumaterialien

Wann genau ist ein Baustoff nachhaltig? Zwei Faktoren sind unumstritten: Ein nachhaltiger Baustoff besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und ist mit geringem Energieaufwand herstellbar. Darüber hinaus sollten die Materialien aus der Umgebung stammen und der Transportweg zur Baustelle möglichst kurz sein.

Ganz oben auf der Liste der ökologischen Baustoffe steht das natürliche Material Holz. Vor allem, wenn es aus regionaler Forstwirtschaft gewonnen wird, weist Holz eine hervorragende CO2-Bilanz auf. Außerdem bringt es gute Dämmeigenschaften mit und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Eine Alternative sind Ziegel, weil sie aus den natürlichen Materialien Lehm und Ton bestehen und sehr langlebig sind. Einziger Nachteil ist hier (wie übrigens auch bei formverfremdetem Holz) der hohe Energieaufwand bei der Herstellung.

Maßnahme 2: Sanierung statt Neubau

Vor allem private Bauherren scheuen den Aufwand einer Renovierung nach ökologischen Kriterien und entscheiden sich oft für einen Abriss und Neubau eines Gebäudes. Sie hoffen, dadurch den späteren Erhaltungsaufwand zu reduzieren. Doch Bauexperten wenden ein, dass eine Kernsanierung auf Basis eines bestehenden Rohbaus praktisch einem Neubau entspricht. Die Preisunterschiede sind auf den ersten Blick tatsächlich marginal, doch werden dabei Förderungen und erst recht Klimaschäden außer Acht gelassen. Neubau-Projekte verursachen mehr Materialverschleiß, mehr Transportaufwand und auch mehr Abfall als Sanierungen.

Maßnahme 3: Nachhaltige Gebäude

Energieeffizientes Bauen ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Strom und Heizung verursachen immer höhere Kosten für die Gebäudenutzer, gegensteuern kann man nur mit der Senkung des Verbrauchs und autarken Energiequellen, wie zum Beispiel mit Solarenergie.

Ein weiterer Pluspunkt bei nachhaltigen Gebäuden ist ihre Langlebigkeit. Die sogenannte Lebenszykluskostenrechnung (kurz LCC für Life-Cycle Costing) umfasst Kosten für Errichtung, Betrieb und Instandhaltung. Eine Bauweise, die den Aufwand bei der Gebäudeinstandhaltung reduziert, verbessert diese Bilanz ebenso wie Maßnahmen, die eine etwaige Renovierung vereinfachen.

Nicht zu vergessen das Recycling der Baumaterialien. In Fachkreisen als „Urban Mining“ bekannt, werden hierbei Bau- und Dämmmaterialien nicht verklebt, sondern verschraubt. So wird ein sortenreines Trennen und Recyceln nach dem Abriss ermöglicht. Damit wird das Gebäude der Gegenwart zum Rohstofflager der Zukunft.

Baugewerbe im Fokus der Nachhaltigkeit

Die Baubranche und ihre Bautätigkeiten haben durchaus noch Potenzial, im Bereich der Nachhaltigkeit zuzulegen. Mit den drei Maßnahmen wäre bereits ein erster Schritt in eine ressourcenschonendere Richtung gesetzt. Doch es liegt an den ausführenden Organen, diese Maßnahmen auch umzusetzen. Kein Architekt, kein Handwerker, kein Generalunternehmer und kein Sanierer lehnt nachhaltiges Bauen prinzipiell ab. Doch auch die Bauherren müssen sensibilisiert werden und bereit sein, Mehrkosten für nachhaltige Projekte zu tragen. Diese werden sich über kurz oder lang auch finanziell rechnen.

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