Organisation, Prävention, Kommunikation – so werden Baustellen sicherer

Eine aktuelle Statistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zeigt, dass das Arbeiten in Österreich wesentlich sicherer geworden ist. Die Rate der Arbeitsunfälle ist zwischen 1980 und 2020 deutlich zurückgegangen. Auch in absoluten Zahlen ist die Unfallhäufigkeit gesunken, obwohl die Anzahl der Beschäftigten stetig zugenommen hat. Wie der Versicherungsträger analysiert, haben viele Einzelmaßnahmen – beispielsweise die Allgemeine Arbeitnehmerschutzverordnung (Erstfassung: 1984), das Arbeitsinspektionsgesetz (1993) und die EU-Arbeitsstättenverordnung (1998) – zu dieser Entwicklung geführt.

Die schlechte Nachricht für Arbeitnehmer in der Baubranche: Sie sind nach wie vor deutlich stärker gefährdet als alle anderen Berufssparten. Es muss also weiter daran gearbeitet werden, ihren Job sicherer zu machen. Natürlich könnte der Gesetzgeber abermals einschreiten und seine Vorschriften weiter verschärfen. Doch im „Regel-Wirrwarr“, zumal meist im verschachtelten Kanzleideutsch statt verständlich formuliert, findet man sich schon jetzt kaum zurecht.

Zum Glück geht es auch anders! Frei nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ haben wir analysiert, mit welchen Maßnahmen Bauherren, Baufirmen und die einzelnen Mitarbeiter zu mehr Sicherheit am Bau

1. Organisation

Eine Studie der Europäischen Union belegt, dass zwei Drittel aller Unfälle am Bau auf Fehler bei der Bauplanung und eine mangelnde Baustellenkoordination zurückzuführen sind. Juristisch gesehen ist vor allem der Bauherr gefordert, Sicherheitsgrundsätze in der Planung und auch in den Bauverträgen zu berücksichtigen. Er ist allerdings meist kein Fachmann und kann diese Aufgaben daher an einen Projektleiter übertragen.

Der Bauherr bzw. Projektleiter setzt außerdem einen Planungs- sowie einen Baustellenkoordinator ein. Ersterer erstellt unter anderem einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (kurz: SiGePlan), Letzterer kümmert sich um die Umsetzung auf der Baustelle. Der Baustellenkoordinator hat allerdings nur ein Hinweisrecht und keine Durchsetzungsbefugnis, außer sie wird ihm vom Bauherrn eingeräumt und in den Bauverträgen festgeschrieben. Im Normalfall sind die ausführenden Unternehmen selbst dafür verantwortlich, ihre Arbeiten im Einklang mit dem SiGePlan durchzuführen

Sicherheit im Bau

2. Prävention

Geht es bei der Organisation vor allem um Pläne und Dokumente, heißt es bei der Prävention Hand anlegen. Und zwar nicht irgendwann, sondern sofort beim Entstehen eines Risikos, auch wenn dafür die Bauarbeiten kurz unterbrochen werden müssen.

Das gilt vor allem beim „Klassiker“ unter den schweren Baustellen-Unfällen, dem Absturz. Er kann durch entsprechende Sicherungen verhindert werden. „Primäre Absturzsicherungen“ sind tragsichere Abdeckungen bzw. Umwehrungen von Bodenöffnungen sowie Abgrenzungen oder Gerüste vor Absturzkanten. Von „sekundären Absturzsicherungen“ spricht man, wenn Gerüste (dazu zählen auch Dachschutzblenden) fallende Arbeiter oder Gegenstände auffangen sollen. Selbstverständlich erfüllen all diese Vorrichtungen ihren Zweck nur, wenn sie fachgerecht angebracht werden – das kann mittlerweile mit digitalen Hilfsmitteln sichergestellt werden.

Weitere häufige Verletzungen am Bau sind Brandwunden bei Schweißarbeiten, der Kontakt mit gefährlichen Stoffen wie Säuren oder Gasen, Stromschläge sowie Stoß-, Quetsch- und Schnittwunden. Hier wirkt bereits eine vorschriftsmäßige Schutzkleidung Wunder. Sie umfasst (je nach Gewerk) Helm, Handschuhe, spezielle Arbeitsschuhe, schnittfeste Jacken und Hosen, Schutzbrillen, Atem- und Gehörschutz. Die Kleidung erhöht durch Farbe und Reflektoren auch die Verkehrssicherheit, wenn auf Baustellen viele Fahrzeuge unterwegs sind. In speziellen Fällen ist außerdem ein Sicherheitsgeschirr, ähnlich einem Klettersteigset, nötig.

Was ohnehin selbstverständlich sein sollte, aber auch zur Prävention gehört: Maschinen und Werkzeuge sollten vor Gebrauch geprüft und nur den Herstellervorgaben entsprechend eingesetzt werden. Das Gleiche gilt für Haken, Ketten, Seile und alle anderen Transport- und Materialsicherungsbehelfe.

3. Kommunikation

Selbst wenn es bei der Koordination und Prävention auf einer Baustelle keinerlei Mängel gibt, scheitert es oft an einem dritten Punkt: Ein gut gemeinter SiGePlan und das Wissen um Präventionsmaßnahmen nützen nichts, wenn die ausführenden Arbeiter diese Informationen nicht erhalten. Kommunikation ist somit das dritte wichtige Element, um Baustellen sicherer zu machen.

Sie beinhaltet zunächst gesetzliche Vorgaben und hier nicht zuletzt Pausenregeln. Denn ausgelaugte Arbeiter gefährden sich selbst und andere. Darüber hinaus muss man die Zuständigkeiten auf der Baustelle klar definieren (was habe ich zu tun … und wer sind meine Ansprechpartner?) und die Arbeitnehmer über Arbeitsschutzmaßnahmen belehren. Diese Unterweisungen sind besonders wichtig, wenn unerfahrene Hilfskräfte oder Auszubildende zum Einsatz kommen.

Sicherheim beim Bau

Sicherheit ist ein Kostenfaktor

All das klingt umständlich und aufwendig, aber es lohnt sich. In erster Linie natürlich, weil es um die Gesundheit von Menschen geht, für die Bauherrn und Baufirmen ein Stück weit verantwortlich sind. Sicherheit am Bau ist allerdings auch ein Kostenfaktor. Laut AUVA-Berechnungen (Stand: April 2021) kostet ein einzelner Arbeitsunfall den betroffenen Betrieb im Schnitt 2.300 Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt sogar 12.500 Euro.


Wie Sie sonst noch Geld sparen können? Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen und bewährten Informationsdienstleister. So entgeht Ihnen nämlich keine Ausschreibung mehr. Und Sie können Ihre Sicherheitskonzepte öfter in die Tat umsetzen als Mitbewerber, die auf sich allein gestellt sind.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

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