Roboter in der Bauindustrie: Gegenwart oder Zukunftsmusik?

Veröffentlichung: 22.02.2023 10:30 |

Bauroboter steigern Effizienz, verbessern Arbeitsbedingungen und entlasten Bauarbeiter. Wie werden sie auf Baustellen eingesetzt? Erfahren Sie mehr in unserem Ratgeber! 

Alles Wichtige zu Robotern in der Bauindustrie in Kürze

  • Roboter sind in der Bauindustrie bereits im Einsatz (Produktion, Montage, Qualitätsbewertung) und werden durch Künstliche Intelligenz (KI) und BIM-Daten zunehmend autonom.
  • Roboter übernehmen vor allem repetitive, körperlich belastende oder gefährliche Arbeiten, zum Beispiel Mauern, Verputzen/Malen und präzises Bohren.
  • Optimale Planung durch KI und präzisere Prozesse senken den Abfall (Pilotprojekte zeigen bis zu 30 Prozent weniger Abfall).
  • Herausforderungen: Hohe Anschaffungskosten, Qualifizierung von Mitarbeitern für die Steuerung und Wartung.
  • Roboter eignen sich noch nicht optimal für kleinteilige, traditionell handwerkliche Prozesse und die sich ständig ändernden Bedingungen.
  • Roboter sollen entlasten, nicht ersetzen. Menschliche Fachkräfte bleiben zentral für komplexe Entscheidungen, kreative Lösungen und die Kontrolle der Maschinen.
  • Trendwende: 81 Prozent der befragten Bauunternehmen planen, Robotik in den nächsten zehn Jahren einzuführen oder verstärkt zu nutzen. Der Markt soll von 168 Milliarden USD (2022) auf 775 Milliarden USD bis 2032 wachsen.
Roboter in der Bauindustrie: Roboter betrachtet Baupläne auf der Baustelle © Corona Borealis / stock.adobe.com

Roboter erobern die Bauindustrie. Was sich anhört wie Zukunftsmusik, ist bereits Realität – Roboter stellen Bauprodukte her, montieren Elemente und bewerten die Qualität von Baustoffen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz wachsen ihre Einsatzbereiche nur noch mehr: Mit smarten Sensoren und auf Basis von BIM-Daten bewegen sich die neusten Modelle autonom über die Baustelle. Doch wie verändern Roboter die Bauindustrie? Wie wirkt sich der Einsatz von Baurobotern auf die Branche aus – und werden sie zukünftig gegen den steigenden Fachkräftemangel helfen? Bei uns erfahren Sie alles Wichtige über Robotik auf der Baustelle und die neusten technologischen Trends!

Wie werden Roboter im Bauwesen eingesetzt?

Bauroboter übernehmen repetitive und körperlich belastende Arbeiten wie Mauern oder Bohren – und mit der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz eröffnen sich neue Möglichkeiten für Baustellenbewachung, autonomes Fahren und Bauplanung.

Dies sind allerdings nur die neusten Entwicklungen. Robotik im gesamten Bauwesen ist schon lange im Einsatz: beispielsweise bei der Produktion von Bauprodukten oder der Bewertung von Baustoffen.

Roboter auf der Baustelle: Welche Arbeiten können Roboter übernehmen?

Roboter auf Baustellen sind heute mobil, autonom und multifunktional. Seit ungefähr 2020 werden sie beispielsweise in Amerika schon großflächig eingesetzt.

Mit der vermehrten Umsetzung von Lasermesssystemen und Sensoren erfassen die neusten Modelle ihre Umgebung und orientieren sich damit weitestgehend von allein. Möglich wird das zudem durch die Auswertung von BIM Daten. Aus den ausführungsrelevanten Daten werden 3D Koordinaten für die präzise Steuerung der Robotik abgeleitet.

Die ersten Roboter sind in der Lage, sich um den gesamten Rohbau zu kümmern. Der Roboter Hadrian X der australischen Firma FBR mauert Gebäude in nur zwei Tagen. Hierfür arbeitet er die vorhandenen 3D Konstruktionsdaten auf, die die Position für die Ziegel vorgeben – diese positioniert er präzise mit seinem Teleskoparm.

Auch für das Verputzen vom Rohbau gibt es bereits robotische Helfer: Der Roboter Okibo arbeitet selbständig und trägt nicht nur Putz, sondern auch Farbe auf. Dabei schafft er über 90 Quadratmeter in einer Stunde und lässt Tür- und Fensteröffnungen aus.

Der Jaibot von Hilti ist ein semiautonomer Bohrroboter. Über Fernsteuerung kann der Roboter so positioniert werden, dass Löcher präzise und korrekt gebohrt und für andere Gewerke markiert werden. Besonders bei Überkopfarbeit entlastet das Arbeiter.

Mobile Multifunktionsroboter sind in der Lage, verschiedene Aufgaben – von Bohren bis hin zu Schweißen – zu erledigen. Möglich wird das durch wechselbare Werkzeugaufsätze für ihre Greifarme. Je nach Arbeitsfeld sind die zwei bis drei Meter langen Roboterarme mit Wechselaufsätzen ausgestattet.

Beispielsweise der fischer BauBot – ein autonom fahrender Multifunktionsroboter für Bohren und Setzen. Mithilfe seiner Raupenkette kann der Roboter Treppen steigen und 20 bis 70 Kilogramm Lasten tragen.

Bei 3D Druck Robotern handelt es sich um von Computer gesteuerte Apparaturen, die aus flüssigen, pulverförmigen oder festen Ausgangsmaterialien – wie holzartigen, transparenten oder recycelten Stoffen – Objekte schichtweise zusammenbauen. Diese Art von Robotik wird bereits seit einigen Jahren zur Produktion von Bauteilen genutzt.

Drohnen erleichtern Vermessungsarbeiten, überwachen den Baufortschritt und liefern Luftaufnahmen. Der Einbau von smarter Sensorik erlaubt es, diese durch künstliche Intelligenz auszuwerten – so können Fehler einfacher erkannt und darüber hinaus Arbeitsschutz besser umgesetzt werden.

Welche Vorteile bieten Roboter in der Bauindustrie?

Durch präzise, automatisierte Arbeit steigern Roboter in der Bauindustrie die Effizienz der Arbeiter, sorgen für mehr Sicherheit und verringern Ressourcenverbrauch.

  • Arbeiterentlastung

    Der größte Pluspunkt, der für Roboter auf der Baustelle spricht, ist die hohe körperliche Entlastung. Roboter tragen schwere Lasten, übernehmen gefährliche und auch repetitive Arbeiten – die Arbeitslast wird dadurch enorm gesenkt und die Arbeit sicherer gemacht.

  • Ressourcenschonung

    Durch präzise Schneide- und Montageprozesse werden Baustellenabfälle stark vermieden. Da künstliche Intelligenz zur Planung eingesetzt werden kann, wird ein optimaler Ressourcenverbrauch möglich gemacht. Ein Pilotprojekt bei „Intelligent City“, einem kanadischen Hersteller von Modulhäusern, hat gezeigt: Die Abfallmenge ist um 30 Prozent gesunken, während die Produktionsleistung um 15 Prozent erhöht wurde.

  • Wirtschaftlichkeit

    Roboter sind weniger fehleranfällig und erledigen belastende Arbeiten in nur wenigen Tagen. Sie erhöhen die Sicherheit auf der Baustelle, sind schneller und präziser als Menschen, bleiben stets gesund und verursachen keinerlei Personalkosten.

Welche Herausforderungen kommen mit Robotern in der Bauindustrie?

Trotz technologischem Potenzial hemmen hohe Kosten, fehlende Qualifikation und ungeeignete Gebäudestrukturen den großflächigen Robotereinsatz in der Bauindustrie.

In einer Branche, die noch sich langsam an Innovationen anpasst, ist es besonders schwierig, die neuen Technologien mit traditionellen Strukturen zu verbinden. Einige Hindernisse sind ...

  • Hohe Kosten

    Allein stationäre Einarm-Roboter kosten ungefähr 10.000 Euro – multifunktionale, mobile Roboter hingegen schon 75.000 Euro. Die Anschaffungskosten sind hoch und es bleibt schwierig einzuschätzen, wie lange es dauert, bis die Investition Gewinne einbringt.

  • Mitarbeiterqualifizierung

    Die Rolle der Mitarbeitenden verändert sich – daher müssen sie für die Bewachung, Kontrolle und Bedienung von Robotersystemen ausgebildet werden. Da bereits ein Fachkräftemangel herrscht, stellt sich dies als schwierig heraus.

  • Keine Eignung für alle Gebäudearten

    Zwar sind Bauroboter ideal für große Geschossflächen, allerdings umfassen herkömmliche Gebäude viele kleinteilige und handwerkliche Prozesse. Diese werden von verschiedenen Gewerken durchgeführt und eignen sich schwer für eine standardisierte Mechanisierung. Gleichzeitig unterscheiden sich Bedingungen für jedes Bauprojekt.

Werden Bauarbeiter durch Roboter ersetzt?

Trotz des steigenden Robotereinsatzes bleiben Menschen zentral für die Arbeit am Bau – die Maschinen sollen entlasten und nicht ersetzen.

Komplexe Entscheidungen und qualifizierte Arbeit erfordern Fachwissen und Kreativität. Für diese Art von Arbeit wird der menschliche Verstand immer gebraucht werden. Vielmehr sollen die körperlich belastenden, arbeitsintensiven und gefährlichen Arbeiten schrittweise übernommen werden. So verändert sich der Arbeitsmarkt und die Rolle des Menschen am Bau: Es bleibt dann beim Menschen, die Maschinen zu bedienen und sie auf Fehler zu kontrollieren.

Dadurch werden Arbeitsbedingungen in Zukunft ebenfalls attraktiver gestaltet. Mit einem besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz kann dem Fachkräftemangel vorgebeugt werden. Denn laut der WKO fehlte es in Österreich im Jahr 2024 an 193.000 Fachkräften – an über 6.000 Beschäftigten am Bau. Rund 67 Prozent aller befragten Unternehmen im Bau- und Baunebengewerbe gaben an, von dem Fachkräftemangel betroffen zu sein.

Robotik in der Bauindustrie: Wie ist der aktuelle Stand?

Trotz aktuell geringer flächendeckender Nutzung plant die Mehrheit der Bauunternehmen Robotik einzuführen, während der Markt bis 2032 stark wachsen soll.

Wie es sich aus einer internationalen Umfrage in Auftrag des Technikkonzerns ABB ergibt: 81 Prozent der 1.900 Befragten geben an, Robotik und Automatisierung auf der Baustelle in den kommenden zehn Jahren einführen oder verstärkt einsetzen zu wollen. Das wäre ein deutlicher Innovationsschub, denn aktuell nutzt laut der Umfrage nur etwas mehr als jedes zweite Unternehmen Roboter-Technologie. Zum Vergleich: In der Automobilindustrie sind es schon 84 Prozent.

Während der Markt für Robotik im Bauwesen im Jahr 2022 auf 168 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde, wird er für das Jahr 2032 auf 775 Milliarden US-Dollar geschätzt. Denn die erste Generation an Maschinen wird bereits vermehrt eingesetzt: Neben Einzelaufgaben wie Schweißarbeiten, Bohren oder Glätten von Beton, mauern die ersten Roboter bereits ganze Häuser.

Der Roboter WLTR wurde im Jahr 2020 in Prag eingesetzt – mit einer Arbeitsgeschwindigkeit von fünf Bauarbeitern errichtet er mittlerweile fünf bis sechs Quadratmeter in der Stunde. Dafür arbeitet er mit speziellen Porotherm Ziegeln der „Robot Ready“ Serie, die durch zwei Rillen an den Seiten besonders gut zu handhaben sind. Bald sollen die ersten Modelle auch in Österreich verfügbar sein.

Fazit: Die Zukunft liegt in der Baurobotik

Roboter in der Bauindustrie: Roboterarm führt Schleißarbeiten selbständig durch © Thanapun / stock.adobe.com

Roboter in der Bauindustrie bieten viele Chancen für den Fachkräftemangel, nachhaltigerem Bauen und Innovationen innerhalb der Branche.

Unternehmen müssen sich bereits jetzt überlegen, welche Projekte sie zukünftig mit Robotik unterstützen wollen. Denn: Der Mangel an Fachkräften zwingt zum Umdenken. Eine Industrie, die stagniert, hat keine Chancen auf eine Besserung der Lage – stattdessen müssen Aufgaben effizienter und sicherer gestaltet werden und Anreize für neue Arbeiter geschaffen werden.

Wird der Mensch damit komplett überflüssig? Natürlich nicht. Roboter auf der Baustelle müssen kontrolliert, gewartet und gesteuert werden. Daher kann man die Bauhelfer auch noch nicht komplett autonom und ohne menschliche Aufsicht zu Werke gehen lassen, zumal sich bei einer Fehlfunktion rechtliche Fragen stellen würden.

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Abschließender Hinweis

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Bea Balode

In ihrer Arbeit als Online-Redakteurin verfasst Bea Balode qualitative Inhalte und Ratgeber für DOCUmedia. Es bereitet ihr Freude, Leser:innen komplexe Themengebiete verständlich und anschaulich nahezubringen. Besonders gerne beobachtet sie Entwicklungen im Vergaberecht und interessiert sich für die nachhaltige Zukunft des Bauens. Ihre Begeisterung für sprachliche Gestaltung verbindet sie mit SEO-Knowhow und Kenntnissen aus ihrem sprachwissenschaftlichen Studium in Germanistik und Anglistik. Auch in ihrer Freizeit entwickelt sie gerne Story-Konzepte und setzt sie in kreativem Schreiben um.