Social Media in der Baubranche: Muss das sein?

Veröffentlichung: 05.12.2023 10:30 |

Bauunternehmen sieht man verhältnismäßig selten auf den Sozialen Medien. Aber warum? Und ist das gut so, oder sollte die Baubranche auf Instagram und Co aktiver werden?  

Das Wichtigste zu Social Media in der Baubranche in Kürze

  • Die Baubranche ist in sozialen Medien unterrepräsentiert, da viele lokale KMU noch auf Mundpropaganda und persönlichen Kontakt setzen.
  • Eine aktive Social-Media-Präsenz bietet Bauunternehmen klare Wettbewerbsvorteile bei der Neukundengewinnung (besonders bei jungen Zielgruppen) und der Bestandskundenpflege.
  • Die Plattformen sind ein wichtiges Instrument, um dem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, indem sie Einblicke in den Betrieb und die Unternehmenskultur geben.
  • Die Wahl der Plattform sollte vom Ziel abhängen: Instagram/TikTok für junge Zielgruppen, LinkedIn/Xing für B2B-Netzwerkpflege und Recruiting, YouTube für umfassende Anleitungen/Success Stories.
  • Relevante Inhalte umfassen Einblicke in den Arbeitsalltag, Mitarbeitergeschichten, Neuigkeiten aus der Branche und die Veröffentlichung von Stellenanzeigen.
  • Unternehmen sollten eine Kosten-Nutzen-Abwägung vornehmen und lieber klein und konsequent starten, da die Pflege der Präsenz und das Communitymanagement oft unterschätzt werden.
Mobiles Endgerät in der Tasche eines Bauarbeiters

Wir treffen in allen Lebensbereichen auf soziale Medien. Fast jede Person hat ein Profil auf irgendeiner Plattform, postet Urlaubsfotos oder Bilder vom Essen. Was man aber verhältnismäßig wenig sieht, sind Bauunternehmen auf Social Media. Aber woran liegt das? Und sollten Handwerksbetriebe sich auf Instagram und Co präsentieren?

Was ist Social Media?

Soziale Medien oder Social Media sind digitale Kommunikationskanäle, über die sich Menschen miteinander vernetzen, kommunizieren, Inhalte erstellen und teilen können. Dazu legt jeder Nutzer ein Profil an. Aber nicht nur Privatpersonen nutzen die Sozialen Medien. Auf LinkedIn beispielsweise treten die Privatpersonen in ihren öffentlichen Funktionen als (potenzielle) Arbeitnehmer auf und teilen ihre Karriereschritte. Auch Unternehmen sind immer mehr auf den Sozialen Medien aktiv, sei es, um sich mit anderen Unternehmen auszutauschen, neue Mitarbeiter zu gewinnen oder das Produkt bei potenziellen Kunden zu positionieren.

Warum Social Media für Handwerker (noch) kein Ding ist

Über die Hälfte aller Unternehmen ist auf den Sozialen Medien vertreten. In der Baubranche ist es nur rund ein Fünftel. Für Menschen, die sich viel mit den Sozialen Medien auseinandersetzen, mag das unverständlich sein, so schaffen Handwerker doch täglich neue Projekte und Fortschritte, die sich zu fotografieren und zu teilen lohnt. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung von Bauunternehmen auf Social Media ist die Struktur der Branche. Die Baubranche ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) geprägt. Diese agieren in erster Linie lokal und finden Kunden wie neue Mitarbeiter über Mundpropaganda oder Annoncen in den Lokalzeitungen. Sie setzen auf den persönlichen Kontakt, und sehen in einer Social-Media-Präsenz nicht das Potenzial und den Nutzen, um dort ihre Zeit und Ressourcen zu investieren. Doch kann sich Social Media auf dem Bau auch lohnen?

Was bringt Social Media in der Baubranche?

Rund ein Fünftel sieht den Nutzen von Social Media auf dem Bau anscheinend. Aber warum? Welche Wettbewerbsvorteile haben Bauunternehmen auf Social Media gegenüber den Kollegen, die nicht in den sozialen Medien vertreten sind? Es gibt in erster Linie drei Aspekte, bei denen Social Media Handwerksunternehmen eine Hilfe sein kann: Die Neukundengewinnung, die Gewinnung neuer Mitarbeiter und die Recherche.

Neukundengewinnung und Bestandskundenpflege mit Social Media

Mithilfe der Sozialen Medien kann man auf einen Schlag sehr viele Leute erreichen. Zudem lässt sich gut steuern, wen Sie erreichen wollen. Wenn Sie beispielsweise ein lokal agierender Malerbetrieb sind, können Sie bei ihren Postings Ihre Region angeben, sodass sie vor allem bei Personen in dieser Region angezeigt werden. Oder Sie bitten das Restaurant, bei dem Sie die Innenräume umgestaltet haben, Sie auf einem Beitrag zu verlinken. Insbesondere wenn Sie junge Kunden gewinnen wollen, zeigt Social Media hohes Potenzial. Instagram, Facebook und Co gehören zu den wichtigsten Informationswegen der Generation, die gerade dabei ist, Familien zu gründen und das Eigenheim zu gestalten. Diese können sich anhand der von Ihnen geteilten Bilder auch direkt einen Eindruck von Ihrer Arbeit machen. Aber nicht nur bei der Gewinnung von Neukunden sind die Sozialen Medien ein guter Kanal. Auch die Bestandskundenpflege kann dadurch erleichtert werden. Wenn Ihre Ihnen Kunden folgen, werden diese immer wieder Beiträge von Ihnen angezeigt bekommen und Sie bleiben so im Gedächtnis.

Mitarbeitergewinnung durch Social Media. © Rawpixel.com / stock.adobe.com

Mitarbeitergewinnung im Handwerk durch Social Media

Zugegeben, die meisten Handwerksbetriebe können sich vor Aufträgen nicht retten und benötigen Social Media nicht, um neue Anfragen ins Mailfach zu befördern. Eines der größten Probleme der Baubranche, der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, kann aber auch mit den Sozialen Medien angegangen werden. Insbesondere junge Fachkräfte und Auszubildende informieren sich über Social Media über Berufsmöglichkeiten, sei es bezüglich der Frage, in welchem Unternehmen sie arbeiten wollen, oder ob sie beruflich lieber Trockenbauarbeiten, Gerüstbauarbeiten oder Holzbauarbeiten ausführen wollen. Sie können so sehen, ob sie die Aufträge, an denen ein Unternehmen arbeitet, interessant finden und ob ihnen die Gesichter sympathisch sind. Und was sie auf jeden Fall sehen: Dass Ihr Unternehmen zukunftsgerichtet handelt und am digitalen Wandel partizipiert. Vielleicht schaffen Sie es sogar, junge Menschen mithilfe von Social Media für die Bauwirtschaft zu begeistern!

Social Media in der Recherche

Eigentlich ist die Social-Media-Präsenz bei Bauausschreibungen kein Kriterium. Doch selbst hinter den öffentlichen Auftraggebern stecken Menschen mit privaten Social-Media-Accounts, die hier vielleicht mal weitere Informationen über einen Ausschreibungsteilnehmer einholen wollen. Umgekehrt kann man auf Facebook & Co. selbst aktiv werden und Informationen über öffentliche Stellen und deren Bauprojekte sammeln.

Die wichtigsten Social Media-Kanäle im Überblick

Soziale Medien sind also der perfekte Ort, um Verbindungen zu bestehenden Kunden aufrechtzuerhalten und neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen, aber auch wertvolle Helfer bei der Mitarbeitersuche. Doch wie soll man bei der Vielzahl verschiedener Kanäle den richtigen finden? Verschiedene Kanäle haben verschiedene Vorzüge und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Der erste Schritt ist also, zu überlegen, was ihr primäres Ziel mit dem Account ist und welche Menschengruppe Sie ansprechen wollen. Aber auch, welche Ressourcen Sie investieren möchten und können.

Facebook

Facebook ist vor allem bei der Altersgruppe 30+ verbreitet. Das sind die Generationen, bei denen das meiste Geld liegt, da sie schon eine Weile im Arbeitsmarkt sind, Rücklagen aufbauen konnten und fest im Leben stehen. Facebook dient hier in erster Linie als Informationsmedium, was für die Nutzung durch die Bauwirtschaft natürlich von Vorteil ist. Das größte Manko ist allerdings, dass Facebook längst ein Geschäftsmodell ist - ohne Werbebudget erzielt man kaum eine nennenswerte Reichweite. Außerdem wird das Medium ab der Generation Z kaum noch genutzt, wenn man also als Hauptziel neue Auszubildende gewinnen möchte, ist die Seite kaum geeignet.

Instagram und TikTok

Denn diese Generationen sind in erster Linie auf Instagram und TikTok unterwegs. Instagram ist mittlerweile für die meisten ein Begriff, während man TikTok als undurchdringlichen Teenager-Channel wahrnimmt. Was soll man da als Bauunternehmen? Beide Plattformen haben eines gemeinsam: Hier geht es weniger um Informationen als um Emotionen – bei Instagram vor allem über Fotos, bei TikTok über Kurzvideos.

LinkedIn und Xing

Das absolute Gegenteil dazu sind LinkedIn und Xing – denn hier geht es idealerweise nur um Informationen. Die Plattformen sind dezidiert dafür gedacht, ein berufliches Netzwerk aufzubauen. Auf diesem Wege kann der Kontakt mit Stakeholdern und Lieferanten gepflegt werden und auch beim Recruiting bietet sich die Plattform an. Personen können hier in der Regel angeben, ob sie offen sind, für Jobangebote und es ist ganz üblich, Leute, mit einem passenden Erfahrungsprofil, einfach direkt anzuschreiben und aufzufordern, sich zu bewerben.

YouTube

Analysiert man Social Media im Baugewerbe, sollte man die Video-Plattform YouTube nicht außer Acht lassen. Anders als bei TikTok findet man hier in erster Linie umfangreiche Videos. Vorher-nachher-Vergleiche in Form von Bewegtbildern, Success Stories mit zufriedenen Kunden, Interviews mit Mitarbeitern oder einfache How-to-Anleitungen – für all das ist YouTube der ideale Ort.

Weitere Kanäle

Nur sehr begrenzt nutzbar sind einige weitere Social-Media-Kanäle. Die Rede ist etwa von WhatsApp, Snapchat, X/Twitter und Pinterest. Zum Teil liegt das an der geringen Reichweite in Österreich, zum Teil an der Art des Kanals. Es lohnt sich trotzdem, diese Plattformen weiter im Auge zu behalten.

Contentideen: Postings auf Social Media für Handwerker

Aber was können Unternehmen der Baubranche auf Social Media überhaupt posten? Die Möglichkeiten sind natürlich ebenso vielfältig wie das Baugewerbe selbst. Es gibt allerdings ein paar Ideen, die man regelmäßig antrifft und die sehr gut ankommen.

Einblicke in den Arbeitsalltag

Insbesondere wenn man junge Fachkräfte oder Auszubildende ansprechen möchte, bietet es sich an, den potenziellen künftigen Kollegen zu zeigen, wie die Arbeit in ihrem Betrieb aussieht. Zeigen Sie aktuelle Projekte und Baustellen, auf denen Sie arbeiten. Welche Aufgaben fallen regelmäßig an? Wie sieht ihr Betrieb aus? Wer nie in einem Unternehmen für beispielsweise Maurerarbeiten gearbeitet hat, weiß nicht, was alles unter diesen Bereich fällt und vermutet vielleicht, dass Sie den ganzen Tag nur Steine stapeln.

Veranstaltungen und Aktionen

Aber auch wenn Sie etwas Besonderes haben, zeigen Sie es! Sie veranstalten einen Grillabend mit allen Kollegen oder jedes Jahr vor Weihnachten einen Glühweinumtrunk? Posten Sie Fotos. Manche Aktionen sind natürlich auch für Kunden interessant, etwa Rabattaktionen.

Neuigkeiten und Trends aus der Branche

Wenn irgendjemand Ahnung von ihrer Arbeit und den damit einhergehenden Entwicklungen hat, dann sind Sie das! Teilen Sie dieses Wissen und positionieren Sie sich als Experte in Ihrem Gewerk. Das müssen nicht unbedingt die großen Entwicklungen in der ganzen Branche sein. Aber vielleicht merken Sie ein Jahr nach einer Gesetzesänderung, wie sehr diese ihren Arbeitsalltag vereinfacht hat – berichten Sie darüber. Oder es gibt eine technische Innovation oder neue Arbeitsmittel, die sie ausprobieren.

Fragen und Antworten (FAQ)

Es werden immer wieder Fragen zu Ihrem Unternehmen und Ihrer Arbeit kommen. Wie viele Mitarbeitende haben Sie? Seit wann gibt es das Unternehmen? Was sind ihre Fachgebiete? Das passende Format, um diese Fragen zu klären, ist ein FAQ.

Mitarbeitergeschichten

Ein Unternehmen lebt von seinen Mitarbeitern. Zeigen Sie die Gesichter der Menschen, die ihren Betrieb ausmachen - natürlich nur mit deren Einverständnis.

Stellenanzeigen

Sie können auch Stellenanzeigen auf den Sozialen Medien posten. Sinnvoll ist es, dann auch Bewerbungen über Social Media zu akzeptieren oder zumindest direkt im Posting die Mailadresse zu nennen, an die die Bewerbung gesendet werden soll.

Die Herausforderung für die Baubranche auf Social Media

Fake Content erkennen

Fake Content oder Fake News können auf den sozialen Medien einfach verbreitet werden. Es ist wichtig, als Unternehmen nur Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen zu verbreiten, da die Verbreitung von Falschinformationen der Reputation des Unternehmens schaden kann. Grundsätzlich ist es aber auch so, dass ein Unternehmensprofil ausschließlich genutzt werden sollte, um Informationen zu dem Unternehmen oder mit Relevanz für das Unternehmen zu teilen. Politische oder soziale Statements haben hier in aller Regel nichts verloren.

Kosten für Social Media

Bei der Überlegung, ob Ihr Unternehmen sich auf Social Media präsentieren möchte, gilt es natürlich, eine Kosten-Nutzen-Abwägung zu machen. Wie hoch die Kosten ausfallen, lässt sich nicht pauschal sagen. Doch es gibt ein paar Fragen, die Ihnen dabei helfen, einzuschätzen, wie hoch die Kosten ausfallen werden:

  • Auf welchen Plattformen soll gepostet werden?
  • Wie häufig sollen Inhalte geteilt werden?
  • Welche Art von Postings soll veröffentlicht werden? Videos oder Fotos, Aufnahmen von Arbeiten, die sowieso erbracht worden wären oder muss für die Erstellung darüber hinaus noch viel Zeit eingeplant werden?
  • Wer kümmert sich um die Postings? Soll vielleicht sogar ein Social Media Verantwortlicher angestellt werden?
  • Wie viel Zeit nimmt das Communitymanagement in Anspruch?

Social Media kann sich schnell zu einem Loch ohne Boden entwickeln, wenn Sie blauäugig an das Projekt herangehen. Viele unterschätzen, wie viel Arbeit bei der Pflege einer Onlinepräsenz anfallen kann und wie viele kleine Aufgaben auf einen zukommen. Deswegen ist es wichtig, erst klein zu stapeln. Wenn man sich eingefunden hat, kann man immer noch mehr machen, aber der Algorithmus sieht es nicht gerne, wenn die Postingfrequenz verringert wird.

Fazit: Besser klein, aber konsequent

Social Media für Handwerker birgt viel Potential! Wer zukunftsgerichtet arbeiten möchte, kommt kaum darum herum, sich früher oder später mit den Sozialen Medien auseinanderzusetzen – und dann gilt: Besser früher als später. Insbesondere, weil ihre Präsenz auf Social Media ein Alleinstellungsmerkmal sein kann und Sie so die Zeit haben, sich in Ruhe mit den verschiedenen Medien vertraut zu machen und Schritt für Schritt zu wachsen. Denn das Wichtigste ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt. Fangen Sie lieber klein an, eventuell nur mit einer Plattform und ein bis zwei Postings die Woche. Mehr machen, können Sie dann immer noch!


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

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Hannah Simons

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