New Work in der Baubranche: 5 Tipps

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch, Fachkräfte sind immer schwerer zu finden. Vor allem junge Arbeitnehmer sind sich dessen bewusst – sie haben klare Vorstellungen vom Job-Umfeld der Zukunft. Nicht nur Geld und Karriere zählen dabei, sondern auch Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und flache Hierarchien. Kurzum: New Work. Mit der Realität im Baubereich ist der Forderungskatalog auf den ersten Blick kaum in Einklang zu bringen. Trotzdem haben wir uns gefragt, wie viel New Work in dieser Branche möglich ist, und liefern in diesem Blog-Beitrag fünf Tipps.

Das Wichtigste zu New Work in der Baubranche in Kürze

  • Der "New Work"-Ansatz, basierend auf Freiheit, Selbstverantwortung und Sinnsuche, fordert von jungen Fachkräften flexible Arbeitszeiten, ortsunabhängiges Arbeiten und flache Hierarchien.
  • Obwohl die Bauarbeit oft an fixe Orte und Zeiten gebunden ist, beginnt die Umsetzung von New Work bei der Geschäftsführung, die als Coach fungiert und starre Hierarchien aufbricht.
  • Ein wichtiger Aspekt ist die Transparenz in der Unternehmenskommunikation sowie die Förderung von Nachhaltigkeitsbemühungen, um die Sinnsuche der Mitarbeiter zu bedienen.
  • Bauunternehmen sollten die Weiterbildung der Mitarbeiter fördern und die Arbeitszeiten so flexibel wie möglich gestalten, um die Bindung der Fachkräfte zu stärken.
Arbeiter am Bau Handschlag © chokniti / stock.adobe.com

DEFINITION UND GRUNDELEMENTE VON NEW WORK

Der New-Work-Ansatz ist eigentlich schon einige Jahre alt. Der österreichisch-amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann formulierte bereits Anfang der 1980er-Jahre die Idee, dass sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohlfühlen müssen, um produktiv zu sein. Der deutsche Arbeitspsychologe Markus Väth entwickelte daraus 2019 die New-Work-Charta mit ihren Grundprinzipien Freiheit, Selbstverantwortung, Sinn, Entwicklung und soziale Verantwortung. Etwas konkreter kristallisieren sich vor allem folgende Punkte heraus:

  • Arbeit frei von Raum und Zeit: Ein fixer Arbeitsort und fixe Arbeitszeiten, beides klingt für die „Generation New Work“ unflexibel und damit unattraktiv. Man wünscht sich zumindest Gleitzeit und die Möglichkeit, seine Arbeit von jedem beliebigen Ort aus zu erledigen. Und wenn schon in die Firma, sollte der Arbeitsplatz dort so gestaltet sein, dass „Work“ und „Life“ verschwimmen.
  • Weniger „Ich“, mehr „Wir“: Trotz Homeoffice-Trend ist New Work kein Ego-Trip, im Gegenteil. In einer komplexen Welt braucht es die kollektive Intelligenz vieler, um Probleme zu lösen und Innovationen voranzutreiben. Abteilungs- und sogar Unternehmensgrenzen werden dabei aufgeweicht: IT, Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung sitzen an einem (virtuellen) Tisch, in Co-Working-Spaces wird der firmenübergreifende Austausch gefördert.
  • Am Ende steht die Sinnsuche: Flexibilität ist gut, Zusammenarbeit noch besser. Doch am Ende steht für New Worker die Frage: Was hat’s gebracht? Dahinter stecken gleich drei Wünsche. Die Arbeit soll die fachliche, aber auch die Persönlichkeitsentwicklung fördern. Man will zum Unternehmenserfolg beitragen. Und nicht zuletzt haben junge Menschen auch das Wohl der Gesellschaft im Blick. Nachhaltigkeit wird damit zum Erfolgsfaktor im Wettbewerb um Arbeitskräfte.

UMSETZUNGSMÖGLICHKEITEN IN DER BAUBRANCHE

Zugegeben, die Arbeitsphilosophie ist eher auf klassische Bürojobs ausgelegt. Das bedeutet aber nicht, dass Elemente von New Work nicht auch am Bau verwirklicht werden können. Unsere fünf Ansatzpunkte dafür:

1. New Work = New Chef

New Work beginnt ganz oben, bei der Geschäftsführung und den Teamleitern. Starre Hierarchien und eine Top-down-Kommunikation im Stil einer militärischen Befehlskette haben ausgedient. Moderne Chefs sind Teil des Teams, machen sich auch gerne selbst die Hände schmutzig und fungieren als Coaches für ihre Mitarbeiter. Sie suchen nicht nach Fehlern, sondern bieten Lösungen an.

2. Transparenz ist alles

Eine weitere wichtige Aufgabe der „New Chefs“ ist Kommunikation. Moderne Unternehmen, auch in der Baubranche, sind transparente Unternehmen. Die Mitarbeiter kennen die kurzfristigen und langfristigen Unternehmensziele und wissen, welchen Beitrag sie dazu leisten können. Sie sind auch über die Auftragslage und anstehende Projekte im Bilde. Und Sie können in regelmäßigen Feedback-Gesprächen eigene Ideen einbringen.

3. Nachhaltigkeit? Können wir!

Die Bauwirtschaft hat ein schlechtes Image. Bauen und Wohnen sind für fast 40 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich, zudem ist der Rohstoffverbrauch enorm. Doch das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Branche angekommen. Neue Gebäude entstehen immer öfter aus nachhaltigen Materialien, sind energieeffizient und nutzen Photovoltaik oder Windkraft zur Stromerzeugung. Auch an der Ressourcenschonung entlang der Lieferkette, in der Logistik und bei der Abfallentsorgung wird intensiv gearbeitet. Von diesen Bemühungen sollten Mitarbeiter, aber auch potenzielle Bewerber erfahren.

4. Weiterbildung fördern

Die Arbeit im Bauwesen kann durchaus sinnstiftend sein – insbesondere dann, wenn Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich persönlich und fachlich weiterzubilden. Die Themenpalette ist groß: Baurecht, Sicherheit am Bau, aber auch neue Materialien und Fertigungsmethoden werden gelehrt. Manche Kurse lassen sich berufsbegleitend absolvieren, für andere muss man Beschäftigte freistellen. Trotzdem sollte man nicht zögern, denn die Mitarbeiterbindung wird dadurch enorm gestärkt.

5. So flexibel wie möglich

Die Arbeit am Bau ist Teamwork und es gilt Zeitpläne einzuhalten. Baulärm nach 22 Uhr dürfte außerdem zu Problemen mit den Anrainern führen. Arbeiter können daher nicht kommen und gehen, wann immer sie wollen. Wie viel Flexibilität trotzdem möglich ist, muss jedes Unternehmen im Einzelfall entscheiden. Die frühzeitige Vorbereitung von Projekten und – damit verbunden – langfristige Dienstpläne sollten jedenfalls erfüllbare Anforderungen sein.

FAZIT: „WEITER WIE BISHER“ IST KEINE PERSPEKTIVE

Wir halten fest: New Work ist eine schöne Idee, aber nicht in jeder Arbeitssituation eins zu eins umsetzbar. Ein Bauarbeiter wird seine Tätigkeit auch in Zukunft nicht von zuhause aus verrichten können. Auch flexibler Arbeitszeiten sind nur sehr bedingt umsetzbar. Doch ein einfaches „Geht nicht!“ gibt’s auch in dieser Branche nicht mehr. Jeder Betrieb sollte dazu beitragen, den Arbeitsplatz Bau so attraktiv wie möglich zu machen.

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