Energetische Sanierung – ein attraktives Geschäftsfeld

In Österreich gibt es rund 60.000 öffentliche Gebäude. Viele davon werden in den nächsten Jahren saniert – teils freiwillig, teils unfreiwillig. Eine neue EU-Richtlinie sieht eine Sanierungspflicht für Bauten mit besonders schlechter Gesamtenergieeffizienz vor. Die europaweite Initiative ist gewissermaßen eine Ergänzung zur rot-weiß-roten Sanierungsoffensive 2021/2022 und eine gute Nachricht für die gesamte Baubranche. Die energetische Sanierung ist schon jetzt ein interessantes Geschäftsfeld und wird künftig noch attraktiver werden.

Das Wichtigste zur energetischen Sanierung in Kürze

  • Die EU plant eine Sanierungspflicht für die ineffizientesten öffentlichen Gebäude (von Klasse G auf mindestens F), um den Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten signifikant zu senken.
  • In Österreich wird die thermische Sanierung öffentlicher Gebäude bereits durch die Sanierungsoffensive gefördert, wobei gezielte Maßnahmen wie Dachdämmung, Fenstertausch und Gebäudebegrünung unterstützt werden.
  • Für Neubauten gelten in Österreich bereits strenge Niedrigstenergiestandards (OIB-Richtlinie 6) sowie das Verbot fossiler Heizungen, wobei Experten festhalten, dass Nachhaltigkeit durch Förderungen und Energieeinsparungen kostenneutral ist.
Tablett mit einer Darstellung zur Energieeffizienz eines Gebäudes © Rido / stock.adobe.com

Sanierungspflicht für die „ineffizientesten 15 Prozent“

Was genau plant die Europäische Union? Laut Kommissionsvorschlag vom Dezember 2021 – der Entwurf muss in den Mitgliedsländern und im EU-Parlament noch diskutiert und schließlich ratifiziert werden – sollen öffentliche Gebäude schon bis 2027 klimafreundlicher werden. Konkret zielt die Maßnahme auf die ineffizientesten 15 Prozent des Gebäudebestands ab: Sie müssen von der niedrigsten Energieeffizienzklasse G zumindest auf das Niveau F angehoben werden.

Die Investitionen sollen sich automatisch rechnen, weil mit den Sanierungsmaßnahmen die Energiekosten sinken. In Zeiten stark steigender Preise liegt hier ein bedeutendes Einspar-Potenzial. Zusätzlich will die EU einen Klimasozialfonds für betroffene Gebäudebesitzer einrichten und den Zugang zu Krediten vereinfachen.

Sanierungsoffensive(n) in Österreich

In Österreich ist man schon einen Umsetzungsschritt weiter. Gemeinden werden bei der thermischen Gebäudesanierung im Rahmen der Sanierungsoffensive 2021/2022 unterstützt – gefördert werden sowohl Einzelmaßnahmen als auch umfassende Sanierungen. Das Unterstützungspaket ist für Bauten gedacht, die älter als 20 Jahre sind und überwiegend betrieblich genutzt werden. Gefördert wird einerseits die Verbesserung des Wärmeschutzes, andererseits die Gebäudebegrünung, wenn dies zur Reduktion der sommerlichen Erwärmung beiträgt.

Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen, gibt es viele. Einige werden bei der Sanierungsoffensive als konkret förderungswürdig angeführt. Dazu zählen zum Beispiel:
• die Dämmung der obersten Geschossdecke bzw. des Daches
• die Dämmung von Außenwänden
• die Dämmung der untersten Geschossdecke sowie des erdanliegenden Fußbodens
• der Austausch von Fenstern und Außentüren
• außenliegende Beschattungssysteme
• Fassaden- und Dachbegrünung

Die Antragstellung ist online bei der Kommunalkredit Public Consulting GmbH (KPC) möglich.

Ähnlich gelagert ist ein Programm der überparteilichen Nachhaltigkeitsinitiative UMWELT + BAUEN. Ihr gehören 15 Institutionen an, allen voran die Bausozialpartner (Bundesinnung Baum Fachverband der Stein- und keramischen Industrie sowie Gewerkschaft Bau-Holz). Eines ihrer Ziele ist, dass bis 2040 sämtliche öffentliche Gebäude saniert und „klimafit“ sind, damit die selbst gesteckten Klimaziele erreicht werden.

Regeln für Neubauten © Aerial Mike / stock.adobe.com

Strenge Regeln für Neubauten

Noch ambitioniertere Regeln als bei der Sanierung gelten schon jetzt für Neubauten. Seit 1. Jänner 2021 ist die EU-Baurichtlinie in Kraft, die für neu errichtete Häuser Niedrigstenergiestandards vorschreibt (die Grenzwerte werden auf nationalstaatlicher Ebene definiert). Schon davor wurde in Österreich die OIB-Richtlinie 6 implementiert, die bautechnische Standards für Energieeinsparung und Wärmeschutz festschreibt. Aufgrund des Regelwerks wird der Dämmbedarf umso größer, je größer die Gebäudeoberfläche im Verhältnis zum Volumen ist. Oder umgekehrt: Die Richtlinie forciert eine kompakte Bauweise mit möglichst geringer Oberfläche – auf Erker, Dachgaupen oder ähnliche „Specials“ muss man daher eher verzichten.

Nachhaltigkeit ist kostenneutral

Was die Heizsysteme betrifft, sind Öl- und Kohleheizungen in Neubauten ohnehin bereits verboten. Auch fossiles Gas ist nicht mehr wirklich zukunftsfähig, umso mehr mit Blick auf aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Was bleibt, ist die nachhaltige Heizung mit Pellets, Photovoltaik, Erd- oder (wenn verfügbar) Fernwärme. Auch wärmeeffiziente Baustoffe, moderne Fenster und Türen sowie die optimale Nutzung der Sonneneinstrahlung tragen zur Senkung des Heizenergieverbrauchs bei.

Die Befürchtung vieler Kunden, dass Bauen durch Nachhaltigkeitsregeln teurer wird, teilen Experten übrigens nicht. Etwaige Mehrkosten in der Bauphase werden durch Einsparungen im laufenden Betrieb ausgeglichen. Außerdem müssen die Klimaförderungen von Bund und Ländern in die Kalkulation einbezogen werden.

Chance nutzen – kein Projekt verpassen

Es gibt also allen Grund, sich für die Energiewende am Bau bereitzuhalten und den öffentlichen Auftraggebern entsprechende Angebote zu machen. Damit Sie keine Chance verpassen, stellen Ihnen die Informationsdienstleister von DOCUmedia in ihrem Xplorer zahlreiche Ausschreibungen samt Detailinfos zur Verfügung.


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