Projektplanung in der Baubranche – ein vierstufiger Prozess

In der Bauwirtschaft gilt: Gut geplant ist halb gewonnen. Das gilt nicht nur für Auftraggeber, auch die beteiligten Firmen sollten sich nicht unvorbereitet in Projekte stürzen. Gerade in Zeiten des Personal- und Ressourcenmangels kann man reibungslose Abläufe auf der Baustelle nur mit einem fundierten Projektplan sicherstellen. Was er beinhalten sollte? Wir sind dieser Frage nachgegangen. Dabei hat sich ein vierstufiger Projektmanagement-Prozess als ideal herauskristallisiert

Das Wichtigste zur Projektplanung in der Baubranche in Kürze

  • Vor Projektbeginn ist eine faktenbasierte Marktanalyse zur Auftragspriorisierung nötig; die eigentliche Planung beginnt mit der klaren Zieldefinition und der Erstellung eines detaillierten Zeitplans.
  • Die Personal- und Ressourcenplanung muss "Was wäre, wenn"-Szenarien berücksichtigen, um reibungslose Abläufe trotz Ressourcenmangels zu gewährleisten.
  • Die abschließende Dokumentation des Baufortschritts dient zur Kontrolle des Plans, während das Feedback des Kunden zur Optimierung zukünftiger Projekte genutzt wird.
Darstellung eines nachhaltigen Gebäudes und Baupläne © FrankBoston / stock.adobe.com

Im Vorfeld: Priorisierung

Die eigentliche Projektplanung beginnt naturgemäß erst, wenn man einen Auftrag in der Tasche hat. Doch schon im Vorfeld sind Managementfähigkeiten gefragt. Denn es stellen sich mehrere Grundfragen:

  • Wie geht es meiner Branche im Moment, und wie wird sie sich mittelfristig voraussichtlich entwickeln?
  • Wie kann ich mich innerhalb des Marktes positionieren, und wer ist meine Zielgruppe?
  • Welche Interessen hat diese Zielgruppe, und mit welchen Produkten bzw. Dienstleistungen kann ich diese Interessen bedienen?

All das sind Themen einer Marktanalyse, die jedes Unternehmen von Zeit zu Zeit durchführen sollte. Sie ist ein wichtiger Bestandteil jedes Businessplans und hilft, die Ist-Situation und Zukunftstrends besser einzuschätzen. Gepaart mit einem Finanzplan ermöglicht sie außerdem eine faktenbasierte Auftragspriorisierung.

Kein Unternehmen kann und sollte sich nämlich an jeder Ausschreibung beteiligen. Das wäre unrealistisch und würde unnötig Ressourcen verschlingen. Wer sich jedoch einen Überblick über das Ausschreibungswesen verschafft und auch seine marktanalytischen Hausaufgaben gemacht hat, kann die richtigen Prioritäten setzen.

Stufe 1: Zieldefinition

Hat man einen passenden Auftrag mal an Land gezogen, beginnt die eigentliche Projektmanagement-Arbeit. Die Basis des Plans und damit Stufe 1 ist die Zieldefinition. Auftraggeber und Auftragnehmer müssen sich vollkommen klar und einig sein, worin der Auftragsinhalt besteht, was also erreicht werden soll.

Schon hier ist die Kommunikation mit dem Kunden das A und O. Wobei diese Kommunikation in der ersten Phase der Zusammenarbeit noch einen Nebeneffekt hat: Es geht hier darum, sein Gegenüber kennenzulernen und Vertrauen zu schaffen.

Stufe 2: Zeitplan

Eng verwoben mit der Frage des „Was“ eines Bauauftrags ist das „Wann“. Die meisten beteiligten Firmen müssen keinen Überblick über das Gesamtprojekt haben, sondern nur wissen, wann sie ihren Teil der Arbeit erledigen sollen und wie viel Zeit sie dafür haben. Ansprechpartner ist hier neben dem Kunden auch, falls vorhanden, ein Projektkoordinator. Er entscheidet, wie der Bau ablaufen soll, damit sich die beteiligten Gewerke nicht gegenseitig behindern. Außerdem stellt er sicher, dass To-dos erledigt sind, die für den nächsten Arbeitsschritt essenziell sind. Einfaches Beispiel: Ein Elektriker kann nur Kabel in der Wand einziehen, wenn die Wand steht.

Stufe 3: Personal- und Ressourcenplanung

Schon zu Beginn dieses Beitrags ist kurz die Rede vom Personal- und Ressourcenmangel gewesen. Diese Knappheit macht Stufe 3 des Projektplanungsprozesses derzeit besonders herausfordernd. Trotzdem: Sobald man einen Auftrag annimmt, müssen sich Bauherren darauf verlassen können, dass man diesen Auftrag mitarbeiter- und materialmäßig bewältigt.

Um das auch tatsächlich gewährleisten zu können, sollte ein Projektplan das eine oder andere „Was wäre wenn“-Szenario beinhalten. Wie kann man Personalausfälle rasch kompensieren oder auch ausbleibende Lieferungen? Welche Arbeitsschritte lassen sich notfalls vorziehen? Solche Vorab-Überlegungen erhöhen die Krisenfestigkeit. Trotzdem, das ist klar, ist im Baustellen-Umfeld (noch dazu in einer schwierigen Gesamtsituation) nicht alles berechenbar. Wenn es also trotz sorgfältiger Planung zu Verzögerungen kommt, sollte man das offen kommunizieren, Gründe benennen und einen Ausblick bieten, wann mit einem Abschluss der Arbeiten gerechnet werden kann.

Personalseitig kann der Projektplan übrigens auch genutzt werden, um Aufgaben zu definieren und Verantwortlichkeiten festzulegen. Er wird so quasi zum „Nachschlagewerk“ für die Mitarbeiter vor Ort.

Dokumentation und Nachbereitung © godshutter / stock.adobe.com

Stufe 4: Dokumentation und Nachbereitung

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – das gilt auch beim Projektplan. Im Klartext: In der Umsetzungsphase sollte man die Baufortschritt und damit auch Abweichungen zwischen Plan und Realität dokumentieren. So kann man im Nachhinein nachvollziehen, ob der Projektplan zu optimistisch oder die Umsetzung nicht plangemäß war. So oder so kann man wertvolle Lehren für das nächste Projekt ziehen.

Auch ist ein Feedback des Auftraggebers zur Zusammenarbeit wertvoll. Manche Firmen setzen hier auf digitale Tools, andere versuchen ihr Glück per Mail. Unschlagbar ist aber das persönliche Gespräch: Wer sich für diese Art der „After-Sales-Bewerbung“ Zeit nimmt, bleibt garantiert in positiver Erinnerung.

Fazit: Penibel sein lohnt sich

Ein Projektplan ist insgesamt mehr als ein Schriftstück! Er erleichtert Koordination und Administration von Aufträgen. Außerdem sorgt er für einen regelmäßigen, zielgerichteten Kommunikationsfluss zwischen Bauherrn und Ausführendem. Damit nimmt die „Customer Journey“ garantiert Fahrt auf.

Noch ein Tipp: Beim Projektplan schadet ein bisschen Detailverliebtheit nicht, im Gegenteil. Der Plan sollte (natürlich gut gegliedert!) besser zu viele als zu wenige Informationen beinhalten. Anders gesagt: Penibel sein lohnt sich.

Sind Sie bereit für Ihren nächsten Auftrag und damit den nächsten Projektplan? Dann sollten Sie die Zusammenarbeit mit DOCUmedia ins Auge fassen. Seit über 45 Jahren unterstützt der Informationsdienstleister Unternehmen aus der Baubranche mit einem bestens recherchierten Ausschreibungsüberblick. Werfen Sie einen Blick auf www.documedia.at oder vereinbaren Sie ein persönliches Gespräch, um mehr zu erfahren.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Ähnliche Artikel

18.12.2025 11:45 | Sina Hasselberg Veröffentlicht in: Blog
Die österreichische Bauwirtschaft befindet sich im Wandel. Es gibt weiterhin einige anhaltende Herausforderungen, wie zum Beispiel hohe Kosten und Fachkräftemangel, aber auch erste Anzeichen für eine Stabilisierung. Steigende Auftragsbestände, ein deutlicher Zuwachs an…
31.07.2025 11:00 | Bea Balode Veröffentlicht in: Blog
Als Handwerker ist es nicht immer leicht, neue Aufträge zu finden und Auftragsbücher zu füllen. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie Ihre Auftragschancen in nur wenigen Schritten steigern können!
19.10.2023 11:00 | DOCUmedia Redaktion Veröffentlicht in: Blog
Der Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch, Fachkräfte sind immer schwerer zu finden. Vor allem junge Arbeitnehmer sind sich dessen bewusst – sie haben klare Vorstellungen vom Job-Umfeld der Zukunft. Nicht nur Geld und Karriere zählen dabei, sondern auch…
27.03.2026 08:00 | Sina Hasselberg Veröffentlicht in: Blog
Mit dem 01. März 2026 ist die BVergG Novelle 2026 in Kraft getreten und hat weitreichende Änderungen für alle gebracht, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen. Wir haben die wichtigsten Neuerungen für Sie zusammengefasst.
23.09.2025 12:00 | Sina Hasselberg Veröffentlicht in: Blog
Wer erfolgreich an öffentlichen oder privaten Ausschreibungen teilnehmen möchte, kommt an Ausschreibungsportalen kaum vorbei. Solche Online-Plattformen bündeln relevante Aufträge und erleichtern die gezielte Ausschreibungssuche, von regionalen Projekten bis hin zu…
28.08.2025 13:00 | Bea Balode Veröffentlicht in: Blog
Bauroboter steigern Effizienz, verbessern Arbeitsbedingungen und entlasten Bauarbeiter. Wie werden sie auf Baustellen eingesetzt? Erfahren Sie mehr in unserem Ratgeber! 
DOCUmedia Redaktion

Unsere Redaktion informierte Sie über aktuelle Themen rund um Bauprojekte, Ausschreibungen und branchenspezifische Schwerpunktthemen – unabhängig und kostenfrei.