Markterkundung

Wer eine Ausschreibung vorbereitet, braucht fundierte Marktinformationen – schnell und effizient. Die Markterkundung dient öffentlichen Auftraggebern dazu, Marktgegebenheiten, Anbieter und Lösungen zu analysieren, um eine faire und wirtschaftliche Vergabe sicherzustellen. Dabei müssen Transparenz und Gleichbehandlung gewahrt bleiben.

Ansicht des Unterschieds zwischen Markterkundung und Marktforschung

Was ist eine Markterkundung?

Die Durchführung einer Markterkundung meint eine unverbindliche Vorabprüfung des Marktes durch öffentliche Auftraggeber vor der Einleitung eines Vergabeverfahrens. Sie dient dazu, Informationen über die Verfügbarkeit von Anbietern, Angeboten, Preisrahmen und technischen Lösungen auf dem Markt zu sammeln. Auf dieser Grundlage kann der Auftraggeber seine öffentliche Ausschreibung so gestalten, dass sie den realen Marktbedingungen entspricht und wettbewerbsfähig sowie wirtschaftlich umsetzbar ist.

Laut Bundesvergabegesetz (BVergG) ist die Markterkundung ein zulässiges Instrument zur Informationsgewinnung. Sie kann wertvolle Informationen für die Pflichtinhalte öffentlicher Ausschreibungen liefern, die bestimmten Vorgaben unterliegen. Allerdings ist sie kein verpflichtender Bestandteil des Vergabeverfahrens, sondern ein freiwilliger Schritt zur Informationsbeschaffung. Es handelt sich nicht um eine formale Ausschreibung, sondern um eine Vorabklärung, die dem Auftraggeber hilft, die besten Rahmenbedingungen für eine spätere Ausschreibung zu definieren. Die gesammelten Informationen verpflichten jedoch nicht dazu, später einen bestimmten Anbieter auszuwählen. Die Auftraggeber müssen dabei deutlich machen, dass die Erklärung der Markterkundung lediglich der Informationssammlung dient und noch kein Vergabeverfahren eingeleitet wird.

Ziele der Markterkundung

  • Förderung des Wettbewerbs: Die Markterkundung vor der Ausschreibung stellt sicher, dass marktgerechte Lösungen berücksichtigt und potenziell bessere oder günstigere Angebote nicht übersehen werden. So können mehr Anbieter passende Angebote einreichen, was Qualität und Effizienz des Vergabeverfahrens erhöht.
  • Schaffung von Transparenz: Durch eine fundierte Markterkundung vor einer Ausschreibung können realistische und nachvollziehbare Ausschreibungsbedingungen definiert werden, die allen potenziellen Anbietern gleichermaßen zugänglich sind.
  • Vermeidung unrealistischer Anforderungen: Die Markterkundung vor der Vergabe hilft, Vorgaben weder zu eng noch zu weit zu fassen. So bleibt die Ausschreibung wettbewerbsfördernd und stellt sicher, dass keine potenziellen Anbieter ausgeschlossen werden.
  • Minimierung von Risiken: Mögliche Herausforderungen, wie technische Hürden oder Missverständnisse, können durch das Markterkundungsverfahren frühzeitig erkannt und vermieden werden. Dadurch wird eine rechtssichere und praktikable Ausschreibung erleichtert.

Wann ist eine Markterkundung sinnvoll?

Eine Markterkundung ist nicht immer zwingend erforderlich, kann aber bei fehlenden Marktdaten oder komplexen Ausschreibungen sinnvoll sein. Sie ermöglicht eine realistische Gestaltung der Anforderungen und hilft, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen. Allerdings kann sie auch Auswirkungen auf den Wettbewerb haben, etwa wenn Anbieter ihre Preisstrategien anpassen. Daher sollten Auftraggeber die möglichen Vor- und Nachteile der Markterkundung sorgfältig abwägen.

Markterkundung oder Marktforschung? Der Unterschied im Überblick

Die Begriffe „Markterkundung“ und „Marktforschung“ werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch in mehreren Aspekten. Während beide Verfahren der Informationsbeschaffung dienen, verfolgen sie unterschiedliche Ziele, Methoden und Anwendungsbereiche. Nachfolgend sind die Hauptunterschiede zwischen Markterkundung und Marktforschung zusammengefasst.

Markterkundung

Marktforschung

Ziel

Vorbereitung einer Ausschreibung, Anbieterrecherche, Marktüberblick

Analyse von Zielgruppen, Marktpotenzialen und -trends

Methode

Explorativ, informell oder formell

Systematisch und repräsentativ

Umfang

Enger und spezifischer

Umfassend und allgemein

Zielgruppe

Potenzielle Anbieter

Konsumenten, Marktteilnehmer

Methoden der Markterkundung

Das Markterkundungsverfahren umfasst verschiedene Methoden der Marktuntersuchung, um relevante Informationen zu sammeln und eine fundierte Ausschreibung zu gestalten. Dabei kommen sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze zum Einsatz, die entweder formell (z.B. durch eine strukturierte Umfrage) oder informell (z.B. durch Gespräche mit Anbietern) durchgeführt werden können. Beide Ansätze miteinander vereint bieten eine ausgewogene Grundlage für die Analyse. Ein praktisches Beispiel einer Markterkundung: Ein Auftraggeber plant den Bau einer Sporthalle. Er führt eine Marktanalyse durch, um Preise und Lösungen zu vergleichen, und ergänzt dies mit informellen Gesprächen mit Bauunternehmen, um praxisnahe Einblicke zu gewinnen.

Zu den wichtigsten Methoden gehören:

  • Gespräche mit Anbietern

    Direkte Gespräche ermöglicht es, Marktbedingungen, technische Lösungen und Preisrahmen zu verstehen und die Ausschreibungsbedingungen anzupassen.

  • Teilnahme an Fachveranstaltungen

    Messen und Konferenzen bieten Einblicke in aktuelle Trends und innovative Lösungen und fördern den Austausch mit Experten.

  • Marktbeobachtung

    Eine kontinuierliche Sammlung und Analyse von Marktinformationen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

  • Marktsondierung

    Die gezielte Ansprache potenzieller Anbieter, um deren Eignung und das Marktinteresse für ein Projekt zu prüfen.

  • Anfragen an Interessenvertretungen

    Branchenverbände liefern wichtige Informationen zu Marktbedingungen und Akteuren.

Marktanalyse – Was gehört alles dazu?

Die Marktanalyse ist eine detaillierte Untersuchung eines Marktes, die auf der Markterkundung aufbaut. Während die Markterkundung erste Eindrücke und grobe Informationen liefert, geht die Marktanalyse tiefer und basiert auf systematischen, quantitativen Daten. Sie umfasst mehrere wesentliche Bestandteile:

  • Marktgröße und Wachstum: Analyse des Marktvolumens und der zukünftigen Entwicklung.
  • Wettbewerbsanalyse: Untersuchung der Konkurrenz und ihrer Marktanteile.
  • Zielgruppenanalyse: Identifikation der Bedürfnisse und Kaufgewohnheiten der Zielgruppe.
  • Markttrends: Erkennung aktueller und zukünftiger Marktentwicklungen.
  • SWOT-Analyse: Bewertung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.

Vergaberechtliche Grundlagen der Markterkundung

Die Markterkundung im Vergaberecht unterliegt dem Bundesvergabegesetz (BVergG) und muss gewährleisten, dass der Wettbewerb fair und ungehindert bleibt. Zentrale Prinzipien sind Transparenz, Nichtdiskriminierung und die Vermeidung von Wettbewerbsverzerrung. Da die Markterkundung eng mit den vergaberechtlichen Vorgaben verknüpft ist, bietet das Vergabe-Glossar eine nützliche Hilfe, um zentrale Begriffe und rechtliche Bestimmungen besser zu verstehen.

Laut Vergaberecht müssen alle Anbieter einen gleichen Zugang zu Informationen haben, ohne bevorzugt oder benachteiligt zu werden. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, dürfen durch die Markterkundung keine unzulässigen Vorteile für bestimmte Anbieter entstehen. Zwar enthält das Bundesvergabegesetz hierzu keine spezifischen Regelungen, doch der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) fordert, dass offengelegt wird, welche Informationen aus der Markterkundung in die Ausschreibung eingeflossen sind. Dabei sollen sowohl die Informationen der Auftraggeber als auch jene der Anbieter veröffentlicht werden, um die Prinzipien der Transparenz und Gleichbehandlung sicherzustellen. Ein Blick in den Artikel 'Vergaberecht einfach erklärt' gewährt weitere Einblicke in die rechtlichen Grundlagen, die auch für die Markterkundung relevant sind.

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