Die aktuelle Auftragslage der Baubranche in Österreich

Veröffentlichung: 29.08.2024 13:16 |

Nach Jahren schwieriger Bedingungen zeigt die österreichische Bauwirtschaft Ende 2025 erste Anzeichen der Stabilisierung. Hohe Baukosten, teure Wohnbaukredite und eine schwache Nachfrage belasten die Branche weiterhin, doch die Auftragsbücher füllen sich langsam wieder. 

Das Wichtigste zur Auftragslage der Baubranche in Österreich in Kürze

  • Die Bauwirtschaft ist Ende 2025 weiterhin schwierig, zeigt aber leichte Entspannungstendenzen.
  • Baukosten bleiben hoch, Rohstoffpreise stabilisierten sich. Hohe Finanzierungskosten und strenge Kreditregeln dämpften die Wohnbaunachfrage stark.
  • Die Geschäftslage wird von den Betrieben etwas positiver eingeschätzt als im Vorjahr, aber ein Drittel sieht sie noch als „schlecht“. Die Auftragseingänge stagnieren oder sind bei den meisten Betrieben rückläufig, der Auftragsbestand hat sich jedoch in vielen Regionen stabilisiert (durchschnittlich 15,5 Wochen).
  • Die Betriebe sind weiterhin verhalten und vorsichtig bezüglich steigender Auftragseingänge in den kommenden Monaten.
  • Trotz Unsicherheit ist der Beschäftigtenstand stabil; der Fachkräftemangel bleibt aber eine zentrale Herausforderung.
  • Wohnbau stabilisiert sich nur leicht (hohe Kosten, Kreditbedingungen). Tiefbau profitiert von öffentlichen Investitionen (Infrastruktur, Energieprojekte).
  • Ausblick: Es wird eine Stabilisierung für Ende 2025 und eine moderate Erholung ab 2026 erwartet.
Sicht auf eine Baustelle aus der Froschperspektive © bannafarsai / stock.adobe.com

Nach der schwierigen Zeit in der Baukrise geht es der Bauwirtschaft in Österreich langsam wieder besser. Viele Unternehmen berichten von besser gefüllten Auftragsbüchern und einer leicht verbesserten Stimmung im Vergleich zum Vorjahr. Trotz des nach wie vor niedrigen Gesamtvolumens deutet sich damit eine vorsichtige Trendwende an. Auch europaweit ziehen die Bauaufträge langsam wieder an. Nach zwei Rückgängen in Folge wird 2025 ein leichtes Plus beim Bauvolumen verzeichnet.

Laut Euroconstruct-Prognose dürften die Aufträge in den Jahren 2026 und 2027 moderat weiter zunehmen, wobei von ihnen jährliche Wachstumsraten des Bauvolumens zwischen 0,6 und 1,0 Prozent prognostiziert werden. Diese vorsichtige Trendwende lässt auf eine allmähliche Erholung in Österreich hoffen, auch wenn die wirtschaftliche Dynamik weiterhin verhalten bleibt. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie die derzeitige Auftragslage aussieht, welche Faktoren die weitere Dynamik bestimmen und mit welchen Veränderungen in den kommenden Jahren zu rechnen ist.

Aktuelle Lage und Ausgangssituation der Bauwirtschaft in Österreich

Die österreichische Bauwirtschaft befindet sich Ende 2025 weiterhin in einem herausfordernden Umfeld, auch wenn sich die Lage allmählich etwas entspannt. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld, einschließlich der Preissteigerung aufgrund der Inflation und der Arbeitsmarktsituation, hat die Nachfrage nach Bauleistungen in den letzten Jahren maßgeblich beeinflusst und tut dies weiterhin. Nach massiven Einbrüchen der Vorjahre sind die Baukosten nach wie vor hoch, insbesondere bei Personal, während Rohstoffpreise sich auf einem stabilen, aber noch erhöhten Niveau eingependelt haben. Diese Faktoren haben die Kalkulation neuer Projekte lange erschwert und viele Aufträge verzögert.

Ein weiterer entscheidender Faktor bleibt die Finanzierung von Wohnbauprojekten. Nach den Zinssteigerungen der vergangenen Jahre wurden Wohnbaukredite für viele Haushalte zunächst schwer leistbar, was die Nachfrage nach Eigenheimen und Neubauten dämpfte und zu einer Wohnbaukrise beitrug. Zwar haben sinkende Leitzinsen die Finanzierungskosten inzwischen etwas gesenkt, die Regeln für Kreditvergaben wirken aber weiterhin zurückhaltend auf die Bauwirtschaft. Die Folge: Viele Privatpersonen verlagern sich auf Mietobjekte oder verschieben Neubauprojekte.

Auch die Entwicklung bei den Baugenehmigungen zeigt die Zurückhaltung am Markt. Die Zahl frei finanzierter Neubauprojekte bleibt niedrig, während geförderter Wohnbau wieder an Fahrt gewinnt, insbesondere in Wien. Staatliche Maßnahmen unterstützen diese Entwicklung, zum Beispiel durch zinsvergünstigte Wohnkredite oder vorübergehende Erleichterungen von Gebühren. Sie machen Bauprojekte attraktiver und helfen dabei, die Pipeline neuer Projekte allmählich wieder zu füllen.

Balkendiagramm der Auftragslage der Baubranche

Wie steht es um die Aufträge in der Bauwirtschaft?

Die Entwicklung der Aufträge gilt als wichtiger Gradmesser für die Bauwirtschaft, da sie unmittelbar zeigt, wie stark die Nachfrage nach Bauleistungen ist. Doch auch die Einschätzungen der Betriebe zu ihrer Geschäftslage und ihren Erwartungen für die nächsten Monate geben wichtige Hinweise darauf, wohin sich die Branche in diesem Zusammenhang bewegt. Im Folgenden wird ein Blick auf die neuesten Zahlen geworfen, die zeigen, wie die aktuelle Situation in der Branche aussieht und wie sich die Auftragslage in Österreich entwickelt.

Wie bewerten Bauunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage?

Die jüngsten Erhebungen der KMU Forschung Austria und der Bundesinnung Bau geben Aufschluss über die Stimmung in der Bauwirtschaft im zweiten Quartal 2025. 23 Prozent der Betriebe bewerteten ihre Geschäftslage als „gut“ (Vorjahr: 15 Prozent), 43 Prozent als „saisonüblich“ (Vorjahr: 41 Prozent) und 34 Prozent als „schlecht“ (Vorjahr: 44 Prozent). Auch wenn weiterhin viele Betriebe ihre Lage als schwierig einstuften, fällt die Einschätzung also etwas positiver aus als noch im Vorjahr. Auch die Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Österreich vom 3. Quartal 2025 der KMU Forschung Austria bestätigt diese Tendenz: Es bewerteten rund ein Sechstel der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, etwa die Hälfte bezeichnete sie als saisonüblich, während knapp ein Drittel die Lage als schwierig einschätzte.

Wie entwickeln sich die Aufträge in der Bauwirtschaft?

Die Entwicklung der Aufträge bleibt der Schlüsselindikator der Branche. Die Entwicklung der Aufträge zeigt, dass sich die österreichische Bauwirtschaft seit dem ersten Halbjahr 2025 in einer vorsichtigen Konsolidierungsphase befindet. Laut des Berichts über die Konjunkturbeobachtung für das dritte Quartal 2025 der KMU Forschung Austria meldeten nur 23 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge oder Umsätze im Vergleich zum Vorjahr, während 46 Prozent keine Veränderung und 31 Prozent einen Rückgang verzeichneten. Auf den ersten Blick könnte dies wie ein negatives Signal wirken: Die Mehrheit der Unternehmen erlebt entweder stagnierende oder rückläufige Aufträge.

Die Zahlen der Konjunkturerhebung vom zweiten Quartal 2025 zeigten jedoch ein etwas positiveres Bild: Die durchschnittlichen Auftragsbestände lagen bei 15,5 Wochen, was ein Anstieg von 0,4 Wochen gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Regional zeigten sich Unterschiede: In der Steiermark betrug der durchschnittliche Auftragsbestand 20,8 Wochen, der höchste Wert österreichweit. In den meisten Bundesländern waren die Auftragsbestände im Vergleich zum Vorjahresquartal ebenfalls wieder gestiegen. Das deutet darauf hin, dass bestehende Projekte weiterhin abgearbeitet werden und sich die Auftragslage in vielen Regionen stabilisiert.

Welche Erwartungen haben die Betriebe für die kommenden Monate?

Trotz einzelner Lichtblicke bleibt die Stimmung mit Blick auf die kommenden Monate verhalten. Laut der Konjunkturbeobachtung Baugewerbe erwarteten im zweiten Quartal 2025 österreichweit nur 16 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge in naher Zukunft, während 30 Prozent von einem Rückgang ausgingen. Daraus ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein negativer Saldo von 14 Prozent. Besonders kritisch waren die Einschätzungen in Salzburg, wo die Mehrheit der Betriebe eine rückläufige Entwicklung befürchtete. Auch die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk für das dritte Quartal 2025 bestätigen dieses Bild. Nur ein kleiner Teil der Betriebe rechnet mit steigenden Auftragseingängen, während die Mehrheit auf ein gleichbleibendes oder leicht rückläufiges Niveau setzt. Insgesamt zeigt sich damit ein Bild vorsichtiger Zurückhaltung: Die Unternehmen hoffen zwar auf Stabilisierung, bleiben in ihren Erwartungen jedoch eher vorsichtig.

Bauarbeiter läuft mit dem Rücken zur Kamera auf Fundament © bannafarsai / stock.adobe.com

Beschäftigung und Fachkräfte: Stabilität am Arbeitsmarkt

Trotz der anhaltenden Unsicherheit zeigte sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr bisher erstaunlich stabil. Im zweiten Quartal 2025 gingen die Betriebe im Schnitt mit einer Erhöhung des Beschäftigtenstands um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Erhebung im dritten Quartal kommt zu einem ähnlichen Bild: 83 Prozent der befragten Betriebe erwarteten keine Veränderung, 9 Prozent eine Erhöhung und 8 Prozent eine Verringerung des Personalstands. Dies spricht dafür, dass trotz einzelner rückläufiger Auftragseingänge die Betriebe insgesamt optimistisch bleiben, ihre Kapazitäten auszubauen und langfristige Aufträge abzusichern. Dennoch bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung. Laut KSV1870 sind aktuell rund zwei Drittel der Bauunternehmen betroffen. Viele Unternehmen berichten, dass sie Aufträge nicht in der gewünschten Geschwindigkeit abwickeln können, weil qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. In unserem Blog finden Sie alle wichtigen Maßnahmen zur Bewältigung des Fachkräftemangels.

Wie unterscheiden sich Wohnbau und Tiefbau?

Ein Blick auf die verschiedenen Segmente zeigt eine deutliche Zweiteilung. Der Wohnbau bleibt das Sorgenkind der Bauwirtschaft. Nach den starken Einbrüchen der letzten Jahre zeichnet sich 2025 nur eine leichte Stabilisierung ab. Besonders das hohe Kostenniveau und die strengen Kreditbedingungen bremsen hier das Wachstum. Viele neue Häuser werden derzeit nicht begonnen, sondern auf spätere Jahre verschoben. Ganz anders der Tiefbau: Hier profitieren die Betriebe weiterhin von öffentlichen Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Energieprojekte. EU-Förderprogramme und Klimaziele schaffen zusätzliche Impulse. Gerade im Tiefbau sind öffentliche Ausschreibungen eine gute Möglichkeit, verlässliche Projekte zu gewinnen, zum Beispiel bei Straßen-, Brücken- oder Infrastrukturmaßnahmen.

Ausblick: Langsame Erholung ab 2026 möglich 

Die Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Bauwirtschaft für den Rest von 2025 stabilisieren dürfte, bevor ab 2026 eine moderate Erholung einsetzt. Die WKO und das Forschungsnetzwerk Euroconstruct gehen davon aus, dass die Bauproduktion heuer weitgehend stagniert, bevor sie in den folgenden Jahren leicht zunimmt. Eine Zinswende könnte den Zugang zu Wohnbaukrediten erleichtern und so wieder mehr Dynamik im Wohnbau schaffen. Trotz dieser Aussichten bleibt die Erholung fragil. Hohe Staatsverschuldung, geopolitische Unsicherheiten und die anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen könnten den Aufschwung bremsen. Dennoch gilt: Die Talsohle scheint durchschritten, und die Bauwirtschaft steht 2025 auf einem deutlich stabileren Fundament als noch im Vorjahr.

Fazit und Empfehlungen für Betriebe

Die österreichische Bauwirtschaft befindet sich 2025 in einer Übergangsphase. Nach Jahren des Rückgangs zeigt sich eine erste Erleichterung, doch von einer echten Trendwende kann noch keine Rede sein. Die Baukosten bleiben hoch, die Nachfrage verhalten, und viele Unternehmen kämpfen weiterhin mit der Finanzierung und dem Fachkräftemangel. Betriebe sollten nun auf Effizienz und Flexibilität setzen: Projekte gezielt auswählen, Risiken genau kalkulieren und in Personalentwicklung investieren. Besonders in nachhaltigen und öffentlichen Bauvorhaben liegen Chancen, die mittelfristig stabile Aufträge sichern können. Auch wenn der Aufschwung noch auf sich warten lässt, hat die Branche bewiesen, dass sie Krisen überstehen kann.

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Abschließender Hinweis

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Sina Hasselberg ist Online-Redakteurin und schreibt über alles, was die Baubranche bewegt: von Marktanalysen über Bautechniken bis hin zu rechtlichen Grundlagen und Vergabeverfahren. Als Soziologin betrachtet sie die Baubranche nicht nur aus einer wirtschaftlichen, sondern auch aus einer gesellschaftlichen Perspektive. Besonders interessiert sie sich dafür, wie neue Innovationen und die Digitalisierung die Arbeitsweisen in der Branche verändern. Ihr Fokus liegt auf praxisnahen Inhalten, die Fachsprache zugänglich machen und sowohl erfahrene Branchenprofis als auch Neueinsteiger:innen abholen.